China droht Rückfall in Deflation: Produzentenpreise sinken im Juni
China droht Rückfall in die Deflation

Produzentenpreise sinken trotz Energiepreisschock

Chinas Produzenten konnten im Juni keine höheren Preise im Markt durchsetzen. Zwar waren die Produzentenpreise um 4,1 Prozent höher als im Vorjahresmonat, doch im Vergleich zum Vormonat sanken sie um 0,3 Prozent, wie die nationale Statistikbehörde am Donnerstag bekannt gab. Hauptgrund dafür seien gesunkene Energie- und Rohstoffkosten.

Ruinöser Preiswettbewerb hält an

Die neuen Daten deuten darauf hin, dass Chinas Hersteller nicht in der Lage sind, dauerhaft höhere Preise durchzusetzen. Sie sehen sich offenbar gezwungen, die gesunkenen Kosten direkt an die Kunden weiterzugeben, um im harten Wettbewerb zu bestehen. Der ruinöse Preiswettbewerb ist eine Folge des hohen Angebots und der geringen Nachfrage in China. Einige Ökonomen hatten gehofft, dass der Energiepreisschock infolge des Irankriegs zu einer Trendwende führen könnte. Dies scheint jedoch auszubleiben.

Immer mehr Unternehmen defizitär

Chinas Produzentenpreise waren im März nach den Angriffen der USA und Israels auf den Iran erstmals nach mehr als drei Jahren gestiegen. Zuvor waren die Preise mehr als 40 Monate gefallen, eine Folge des hohen Angebots und der geringen Nachfrage. Der ruinöse Preiswettbewerb hat zur Folge, dass immer mehr Unternehmen Verluste schreiben. Einer Analyse des China-Thinktanks Merics zufolge waren im vergangenen Jahr fast 24 Prozent der Unternehmen in China defizitär.

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Negative Preisspirale bremst Wirtschaft

Die meisten Volkswirte halten sinkende Preise für problematischer als steigende Preise. Denn wenn Konsumenten und Unternehmen damit rechnen, dass Preise weiter sinken, schieben sie Kauf- und Investitionsentscheidungen weiter auf. Diese negative Preisspirale bremst das Wirtschaftswachstum. Private Investitionen sanken zwischen Januar und Mai um 7,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, wie Daten der Statistikbehörde zeigen. Die Einzelhandelsumsätze stiegen im gleichen Zeitraum leicht um 1,4 Prozent. Im Mai waren sie sogar um 0,6 Prozent gesunken.

Exporte als Ausweg – aber mit Gegenwind

Die geringe Nachfrage in China und der harte Preiswettbewerb sorgen auch dafür, dass immer mehr Unternehmen ihre Waren ins Ausland exportieren. Besonders deutlich wird dies auf dem Automarkt. Daten des chinesischen Verbands für Personenkraftwagen (CPCA) vom Mittwoch zufolge brach der Autoabsatz in China im Vergleich zum Vorjahresmonat um 23 Prozent auf 1,6 Millionen Fahrzeuge ein. Die Exporte stiegen dagegen um 82 Prozent auf 877.000 Fahrzeuge. Der starke Anstieg bei den Exporten führt in immer mehr Ländern zu einer Abwehrreaktion. So hatten sich die Regierungschefs der EU-Staaten Mitte Juni auf einen härteren Kurs gegenüber China verständigt. Chinas Staatsführung weist Kritik von außen an den Überkapazitäten vehement zurück.

Wachstumsdaten unter Beobachtung

Die offiziellen Daten zur Entwicklung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt zwischen April und Juni sollen am kommenden Mittwoch veröffentlicht werden. Chinas Premier Li Qiang sagte beim Sommer-Davos-Wirtschaftsforum Ende Juni, sie habe „die gute Entwicklungstendenz fortgesetzt“. Im ersten Quartal war Chinas Wirtschaft offiziellen Angaben zufolge um fünf Prozent gewachsen. Für das Gesamtjahr hat die Staatsführung ein Wachstumsziel von 4,5 bis fünf Prozent vorgegeben. Das Wirtschaftswachstum gilt in China jedoch als politische Zahl, daher gibt es immer wieder Zweifel an der Korrektheit der offiziellen Daten. 2024 hatte der jüngst verstorbene chinesische Ökonom Gao Shanwen für Schlagzeilen gesorgt, der Chinas Wirtschaftswachstum in den drei Jahren zuvor um drei Prozentpunkte überschätzt hielt. Der Internationale Währungsfonds und die Weltbank rechnen in ihren neuesten Prognosen, die diese Woche veröffentlicht wurden, mit einem Wachstum von Chinas Wirtschaft 2026 um 4,6 beziehungsweise 4,4 Prozent. Grund für das langsamere Wachstum sind vor allem die anhaltenden Probleme auf dem Immobilienmarkt sowie die Konsumzurückhaltung vieler Haushalte.

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