Die russische Wirtschaft steckt in einer tiefen Krise. Doch ein Hoffnungsschimmer für den Kreml zeichnet sich ab: Die steigenden Öl- und Gaspreise infolge des Nahost-Krieges bescheren Moskau wieder sprudelnde Einnahmen. Laut aktuellen Angaben des russischen Finanzministeriums legten die Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft im Mai im Jahresvergleich um ein Drittel auf 679 Milliarden Rubel (rund acht Milliarden Euro) zu.
Wichtigste Einnahmequelle für den Kreml
Die Erlöse aus dem Energiehandel machen rund ein Fünftel der gesamten russischen Staatseinnahmen aus. Sie sind die mit Abstand wichtigste Einnahmequelle für den Kreml, dessen Finanzen durch die hohen Ausgaben für den seit Februar 2022 andauernden Krieg in der Ukraine stark angespannt sind. Ohne die vielen ukrainischen Angriffe auf die russische Energieinfrastruktur wären die Einnahmen Moskaus sogar noch deutlich höher ausgefallen.
Monatliche Schwankungen und Jahresbilanz
Im Vergleich zum Vormonat April sanken die Einnahmen allerdings um fast 21 Prozent. Das Ministerium begründete diesen Rückgang mit turnusmäßig anfallenden Gewinnsteuern, die im April fällig wurden. Auch die Bilanz für die ersten fünf Monate des Jahres fällt schwächer aus: Mit knapp drei Billionen Rubel lagen die Einnahmen rund 30 Prozent unter dem Wert des Vorjahreszeitraums.
Profit durch Nahost-Krieg
Als drittgrößter Ölproduzent der Welt nach den USA und Saudi-Arabien profitiert Russland maßgeblich von dem Preisanstieg, der nach Beginn des amerikanisch-israelischen Militäreinsatzes im Iran Ende Februar einsetzte. Die Ukraine wehrt sich im Krieg gegen den Nachbarn unter anderem mit gezielten Angriffen auf die russische Ölindustrie, um die Einnahmequellen des Aggressors zu schwächen.
Ausblick für das Gesamtjahr
Im vergangenen Jahr waren die Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft um 24 Prozent auf 8,48 Billionen Rubel eingebrochen – der niedrigste Stand seit 2020. Für das Gesamtjahr 2026 rechnet die russische Regierung mit Einnahmen aus diesem Sektor von 8,92 Billionen Rubel bei veranschlagten Gesamteinnahmen von 40,28 Billionen Rubel. Die Entwicklung bleibt angesichts der geopolitischen Unsicherheiten und der anhaltenden Sanktionen jedoch schwer kalkulierbar.



