OECD warnt vor drastischer Zunahme der Stahl-Überkapazitäten
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat eine alarmierende Warnung vor einem massiven Anstieg der weltweiten Überkapazitäten in der Stahlindustrie ausgesprochen. Laut einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht könnten sich diese Überkapazitäten bis zum Jahr 2028 auf 745 Millionen Tonnen belaufen. Dies entspricht einer Steigerung von 319 Millionen Tonnen im Vergleich zur aktuellen Produktionsmenge im OECD-Raum.
Hauptgrund: Massive Subventionen in China
Als zentrale Ursache nennt die in Paris ansässige Organisation die erheblichen staatlichen Subventionen in einigen großen Nicht-OECD-Volkswirtschaften, insbesondere in China. Diese finanziellen Hilfen würden den fairen Wettbewerb auf dem globalen Stahlmarkt zunehmend untergraben. Gleichzeitig würden Handelsmaßnahmen, die eigentlich gleiche Wettbewerbsbedingungen schaffen sollen, immer häufiger umgangen.
OECD-Generalsekretär Mathias Cormann betonte: „Stahlüberkapazitäten werfen für alle Probleme auf. Sie verzerren globale Märkte, belasten die wirtschaftliche Sicherheit und Widerstandsfähigkeit und schaffen Negativanreize für Innovation und Nachhaltigkeit.“ Er forderte, die Ursachen zu bekämpfen, einschließlich schädlicher Subventionen und anderer nicht marktkonformer Praktiken. Notwendig seien gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Hersteller, was eine stärkere internationale Zusammenarbeit erfordere.
Rekordexporte chinesischer Stahlhersteller
Laut dem OECD-Bericht exportierten chinesische Stahlhersteller im vergangenen Jahr eine Rekordmenge von 131 Millionen Tonnen. Dies entspricht einem Anstieg von 153 Prozent im Vergleich zu 2020 und übertrifft sogar die gesamte Stahlproduktion der Europäischen Union im Jahr 2025. Ein chinesisches Stahlunternehmen erhielt den Angaben zufolge im Jahr 2024 im Durchschnitt 15-mal mehr Subventionen als Hersteller in anderen Ländern.
Zudem würden Gegenmaßnahmen wie Antidumpingzölle umgangen, indem Stahlprodukte über Drittländer in die OECD-Märkte exportiert werden. So seien die Exporte von Halbzeugen aus Stahl von China nach Südostasien im vergangenen Jahr um 300 Prozent gestiegen. Dies lege den Schluss nahe, dass die Produkte dort weiterverarbeitet und dann in die OECD exportiert werden.
Weitere Belastungen für die Stahlbranche
Die Autoren des Berichts weisen auch auf zusätzliche Herausforderungen für die Industrie hin. Die Rohstoffversorgung stehe zunehmend unter Druck, da 42 Länder ihre Schrottausfuhren beschränkten. Steigende Energiekosten infolge des Kriegs im Nahen Osten belasteten die Produktion zusätzlich, da der Energieanteil an den Kosten bis zu 40 Prozent ausmachen könne. In der Folge würden bereits mehrere Projekte zur emissionsärmeren Stahlerzeugung verschoben.
Die OECD fordert daher ein entschlossenes Vorgehen gegen die Überkapazitäten und eine verstärkte internationale Kooperation, um die Wettbewerbsverzerrungen zu beseitigen und die Nachhaltigkeit der Stahlindustrie zu sichern.



