Die weltweiten Ausgaben für Atomwaffen haben im Jahr 2025 einen neuen Höchststand erreicht. Laut einem Bericht der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) gaben die neun Atommächte gemeinsam fast 119 Milliarden Dollar (etwa 103 Milliarden Euro) für ihre Atomarsenale aus. Dies entspricht einem Anstieg von 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Umgerechnet bedeuten diese Ausgaben rund 3200 Euro pro Sekunde.
ICAN warnt vor neuem nuklearem Wettrüsten
Die Organisation ICAN, die 2017 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde und maßgeblich am UN-Atomwaffenverbotsvertrag beteiligt war, äußerte sich alarmiert. „Wir stehen vor einem neuen nuklearen Wettrüsten“, warnte die Organisation. Der Vertrag trat 2021 in Kraft, doch die aktuellen Zahlen zeigen eine gegenläufige Entwicklung.
USA geben am meisten aus
ICAN zufolge gaben die USA im Jahr 2025 mit 69,2 Milliarden Dollar mehr für Atomwaffen aus als die acht anderen Atommächte zusammen. China folgte mit 13,5 Milliarden Dollar auf Platz zwei. Großbritannien verdrängte Russland mit Investitionen von 12,6 Milliarden Dollar auf den dritten Rang. Russland selbst gab 9,5 Milliarden Dollar aus. Zudem wurden mehr Sprengköpfe aus Lagern auf Trägersysteme verlagert.
Künstliche Intelligenz erhöht Risiko
Bericht-Mitautorin Susi Snyder äußerte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP große Besorgnis: „Diese Entwicklung und der allgemeine Anstieg der Ausgaben paaren sich mit der Befürchtung, dass Künstliche Intelligenz das Risiko eines Einsatzes von Atomwaffen erhöhen könnte. Das ist äußerst alarmierend. Um ganz ehrlich zu sein: Ich habe schreckliche Angst.“
Verteilung der Atomwaffen
Laut ICAN besitzt Russland mit 5420 die meisten Atomwaffen, gefolgt von den USA mit 5042, China mit 620, Frankreich mit 300, Großbritannien mit 225, Indien mit 190, Pakistan mit 170, Israel mit 90 und Nordkorea mit 60.
Alternative Verwendungsmöglichkeiten
ICAN betont, dass die Investitionen eines einzigen Tages ausreichen würden, um zwei Millionen Menschen vor dem Hunger zu bewahren. Die Ausgaben der letzten drei Jahre hätten den Welthunger beenden können. „Die Ausgaben des Jahres 2025 hätten den regulären Haushalt der Vereinten Nationen für 32 Jahre decken können“, heißt es in dem Bericht.
Sipri warnt ebenfalls
Bereits am Montag hatte das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri vor der wachsenden Bedeutung von Atomwaffen in der internationalen Sicherheitspolitik gewarnt. Staaten setzten Atomwaffen zunehmend als Instrumente nationaler Machtpolitik ein und machten damit jahrzehntelange Abrüstungsbemühungen rückgängig.
Als Atommächte gelten die USA, Russland, China, Großbritannien, Frankreich, Indien, Israel, Pakistan und Nordkorea.



