2.150 Drogentote in Deutschland 2024: Jeder vierte unter 30 Jahren
2.150 Drogentote: Jeder vierte unter 30

Im Jahr 2024 starben in Deutschland 2.150 Menschen an den Folgen von Drogenkonsum – ein Rekordwert. Besonders alarmierend: Jeder vierte Drogentote war jünger als 30 Jahre. Der Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Hendrik Streeck, sprach von einer „erschütternden“ Entwicklung. Die Zahl der Todesfälle unter 30-Jährigen stieg seit 2021 um mehr als die Hälfte, bei den unter 20-Jährigen hat sie sich nahezu verdoppelt.

Ursachen: Mischkonsum und synthetische Opioide

Streeck machte vor allem den Mischkonsum von Medikamenten, Alkohol und anderen Substanzen verantwortlich. „Viele dieser jungen Menschen können die Risiken noch nicht oder nicht vollständig überschauen“, sagte er. Besonders gefährlich seien Kombinationen aus Benzodiazepinen, opioidhaltigen Schmerzmitteln und anderen psychoaktiven Arzneimitteln. Hinzu kommt die zunehmende Verbreitung synthetischer Opioide wie Fentanyl und Nitazenen. „Wir sehen auf dem Markt Tabletten, die aussehen wie bekannte Medikamente, aber mit hochpotenten synthetischen Opioiden versetzt sind“, warnte Streeck. Schon kleinste Mengen könnten tödlich sein.

Zahlen im Detail: Kokain, Heroin und Fentanyl

Die häufigste Todesursache waren Vergiftungen mit Opiaten/Opioiden (1.316 Fälle), gefolgt von Kokain/Crack (769), Heroin/Morphin (708), psychoaktiven Medikamenten (696) und Opiat-Substituten wie Methadon (611). Amfetamine waren an 602 Todesfällen beteiligt. Fentanyl tauchte in 118 Todesfällen auf. 1.777 der Verstorbenen waren männlich, 373 weiblich. Das Durchschnittsalter lag bei 40,6 Jahren. 106 Tote waren jünger als 20, 209 zwischen 20 und 24, 213 zwischen 25 und 29. 455 Opfer waren 30 bis 39, 589 waren 40 bis 49, 387 waren 50 bis 59 und 191 waren 60 oder älter.

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Forderungen: Mehr Prävention und Hilfsangebote

Streeck forderte Konsequenzen aus den Zahlen: „Wenn fast jeder vierte Drogentote unter 30 ist, dann darf unsere Antwort nicht Betroffenheit sein, sondern es braucht auch Konsequenzen: mehr Prävention, frühere Hilfe und ein Hilfesystem, das Menschen rechtzeitig erreicht.“ Angesichts knapper Haushalte warnte er davor, das Suchthilfesystem „kaputtzusparen“. Gerade Jugendliche bräuchten ausreichend Entzugs- und Therapieplätze sowie Begleitung für Familien. Die Bundesregierung arbeite derzeit ressortübergreifend an Maßnahmen, darunter ausgebaute Monitoring- und Frühwarnsysteme für synthetische Opioide sowie mehr Vorbeugung und Hilfe für junge Menschen.

Internationaler Trend und neue Gefahren

Streeck betonte, dass die Entwicklung kein rein deutsches Problem sei. Weltweit sei der Drogenkonsum zuletzt gestiegen, besonders bei Kokain und synthetischen Drogen. „Drogen, gefälschte Medikamente und hochriskante Mischungen sind heute oft nur wenige Klicks entfernt“, sagte er. Der „Dealer an der Straßenecke“ sei längst nicht das einzige Problem. Die Opferzahlen steigen seit Jahren tendenziell an: 2016 gab es 1.333 Drogentote, 2024 waren es 2.150. Vor zehn Jahren waren die meisten Todesfälle auf Heroinkonsum zurückzuführen, mit immer älteren Konsumenten. Heute sind es zunehmend jüngere Menschen, die an Mischkonsum und synthetischen Drogen sterben.

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