Die Bundeswehr wird die geplante Einführung unbemannter, wiederverwendbarer Kampfflugzeuge, sogenannter Jagdbomberdrohnen, offenbar nicht wie ursprünglich vorgesehen bis 2029 realisieren können. Das berichten „Politico“ und „Welt“ unter Berufung auf vertrauliche Unterlagen des Verteidigungsministeriums.
Kein System erfüllt Anforderungen ohne Weiterentwicklung
Verteidigungsminister Boris Pistorius hatte sich im März in Australien über das System MQ-28 „Ghost Bat“ von Boeing Defence Australia informiert. Zwölf MQ-28 sollten für über 800 Millionen Euro beschafft werden. Parallel dazu war ein Technologiewettbewerb mit Systemen wie der CA-1 Europa (Helsing/Hensoldt) und der XQ-58 Valkyrie (Kratos/Airbus) angedacht. Eine Marktanalyse habe nun aber ergeben, dass keines der angebotenen Systeme die deutschen Anforderungen ohne weitere technische Entwicklung erfüllt. Insbesondere eine nötige Anpassung der MQ-28 für Bodenangriffe bis 2029 wurde als fraglich eingestuft.
Kosten und interne Uneinigkeit
Zudem äußerten sich Teilnehmer hochrangiger Gesprächsrunden im Ministerium skeptisch, ob die hohen Kosten dem Haushaltsausschuss des Bundestags vermittelbar wären. Es soll aber auch interne Meinungsverschiedenheiten geben. „Abteilungen können sich nicht einigen“, heißt es demnach in einem Arbeitsentwurf.
Vergleichskampagne ab 2027 geplant
Nun solle zuerst eine „Vergleichskampagne“ zwischen den verschiedenen Systemen durchgeführt werden, die frühestens 2027 beginnen könne. Erst danach soll über eine Beschaffung entschieden werden. Dies reduziere das Risiko, in ein nicht vollständig passendes System zu investieren, und biete zudem heimischen sowie europäischen Unternehmen mehr Zeit für eigene Entwicklungen.
NATO-Ziel bis 2035 bleibt bestehen
Das langfristige NATO-Ziel, Deutschland bis spätestens 2035 mit unbemannten Kampfflugzeugen auszustatten, bleibe bestehen. Die ursprüngliche Zielsetzung der Bundesregierung, bereits 2029 eine erste Fähigkeit mit mindestens zwölf Maschinen aufzubauen, ist aber kaum noch zu retten. Bis zur Verfügbarkeit der Kampfdrohnen sollen günstigere Marschflugkörper genutzt werden.
Drohnen zum Abtransport von Verletzten
Die Bundeswehr testet unterdessen auch ein neues Drohnensystem für den Abtransport von Verletzten aus Kampfgebieten. Mit dem Ismaninger Hersteller Avilus wurde Anfang April ein Vertrag über den Testbetrieb mit zwei Drohnen vom Typ „Grille“ geschlossen, wie beide Seiten mitteilten. Das Projekt umfasst den Angaben zufolge auch die Ausbildung von Soldatinnen und Soldaten. „Ziel ist es, das System durch die praktische Erprobung mit dem Sanitätsdienst der Bundeswehr präzise an die spezifischen Bedarfsforderungen der Streitkräfte anzupassen“, hieß es.



