Leichter Anstieg der Einstellungen im Juli
Im Juli haben die deutschen Unternehmen ihre Einstellungsaktivitäten wieder etwas erhöht, allerdings auf einem weiterhin niedrigen Niveau. Das geht aus dem neuesten Beschäftigungsbarometer hervor, das das Münchner Ifo-Institut monatlich für das Handelsblatt berechnet. Der Indikator erreichte 93,0 Punkte – ein leichter Anstieg gegenüber dem Juni, aber immer noch unter dem Wert des Vorjahresmonats. Werte unter 100 signalisieren, dass mehr Firmen Stellen abbauen als neue schaffen wollen.
„Der Abwärtsdruck am Arbeitsmarkt lässt etwas nach“, sagte Klaus Wohlrabe, Chefstatistiker des Ifo-Instituts, dem Handelsblatt. Eine „echte Trendwende“ sei daraus jedoch noch nicht ablesbar. Dafür müssten die Unternehmen deutlich mehr Vertrauen in die wirtschaftliche Entwicklung gewinnen.
Industrie und Handel mit weiterem Personalabbau
Die Branchenunterschiede bleiben markant: In der Industrie stehen die Zeichen weiterhin auf deutlichem Personalabbau. Fast ebenso schlecht ist die Lage im Handel. Die Rückmeldungen von Dienstleistern und dem Bauhauptgewerbe fallen nur leicht negativ aus. Besonders gefragt sind Bauarbeiter und Handwerker: Laut einer Stellenmarkt-Analyse der Berliner Personalmarktforschung Index-Research wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 bundesweit knapp 5,9 Millionen Stellen ausgeschrieben – vier Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Davon entfielen 1,3 Millionen Ausschreibungen auf Bau- und Handwerksberufe, die damit die größte Nachfrage verzeichneten.
Arbeitsmarkt weiterhin angespannt
Die Bundesagentur für Arbeit hatte kürzlich gemeldet, der Arbeitsmarkt sei in nahezu allen Teilbereichen „wie eingefroren“. Im Juni sank die Zahl der Arbeitslosen nur leicht um 15.000 auf 2,936 Millionen, die Arbeitslosenquote fiel um 0,1 Prozentpunkte auf 6,2 Prozent. Einzig die Zahl der Grundsicherungsempfänger sank – eine positive Entwicklung. Trotz des leichten Anstiegs beim Beschäftigungsbarometer bleibt die Gesamtlage schwierig.
„Der Arbeitsmarkt bekommt etwas Luft, ist aber noch längst nicht über den Berg“, betonte Wohlrabe. Der Optimismus in den Chefetagen, gemessen am Ifo-Geschäftsklimaindex, der im Juli das dritte Mal in Folge auf 86,6 Punkte stieg, schlägt sich noch nicht in den Einstellungsplänen nieder. Die Zurückhaltung der Unternehmen zeigt sich auch in der geringen Zahl neuer Stellenausschreibungen.
Ausblick und Expertenmeinung
Die Erholung am Arbeitsmarkt bleibt fragil. Während die Industrie weiter Stellen streicht und der Handel sich zurückhält, bieten das Baugewerbe und der Dienstleistungssektor zumindest leichte Entlastung. Für eine nachhaltige Besserung müsste die Konjunktur anziehen, so Wohlrabe. Die IG-Metall-Chefin kritisierte zuletzt das Vorgehen der Arbeitgeber als „unsäglich“. Die kommenden Monate werden zeigen, ob der leichte Aufwärtstrend anhält oder ob die Unternehmen angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheit erneut die Bremse treten.



