Das Bundeskabinett hat am Mittwoch den Weg für eine Reform des Befristungsrechts in der Wissenschaft freigemacht. Der Gesetzentwurf von Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) sieht unter anderem regelmäßige Mindestvertragslaufzeiten vor, um die berufliche Unsicherheit von Forscherinnen und Forschern ohne Professur zu verringern.
Neue Mindestlaufzeiten für Doktoranden und Postdocs
Kernstück der Reform sind verbindliche Mindestvertragslaufzeiten. Wer für seine Promotion forscht, soll künftig einen Vertrag von mindestens drei Jahren erhalten. Auch nach der Promotion sind zwei Jahre vorgesehen. Ausnahmen sind laut Ministerium nur in begründeten Fällen möglich. Zudem soll die Höchstbefristungsdauer für Wissenschaftler mit Pflegeverantwortung verlängert werden.
Jahrelange Kritik an prekären Arbeitsbedingungen
Kritiker bemängeln seit Jahren, dass die überwiegende Mehrheit der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nur befristet beschäftigt ist – oft über viele Jahre hinweg. „Jahre der Unsicherheit“ seien die Regel, so Bär. Die Ministerin betonte: „Attraktive Arbeitsbedingungen mit verlässlichen Karrierewegen sind eine Voraussetzung, um talentierte junge Menschen für Wissenschaft und Forschung zu gewinnen.“ Mit dem Gesetzentwurf werde ein ausgewogener Befristungsrahmen geschaffen.
Das Ministerium kündigte an, dass Hochschulen und Forschungseinrichtungen künftig „zukunftsfähige, transparente und international anschlussfähige Karriere- und Personalstrukturen“ erhalten sollen. Der Entwurf sei Teil eines Gesamtkonzepts, das Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag umsetze.
Grüne kritisieren unzureichende Reform
Die wissenschaftspolitische Sprecherin der Grünen, Ayşe Asar, bezeichnete den Gesetzesentwurf dagegen als „unzureichend“ und „keinen echten Reformschritt“. Auf LinkedIn schrieb sie, die Reform repariere Symptome, nicht Ursachen. Asar verwies auf rund 18.000 Neubesetzungen in den Jahren bis 2033, die eine Chance für strukturelle Änderungen im Unibetrieb darstellten.
Die vorgesehene Mindestlaufzeit von zwei Jahren reiche nicht aus, um verlässliche Karrieren zu ermöglichen. Asar forderte vier Jahre und eine unbefristete Stelle nach Abschluss der Doktorarbeit als Standard.



