Insolvenz der Betreibergesellschaft der Kalle Halle
Die Kalle Halle in der Karl-Marx-Straße in Neukölln, die erst vor acht Monaten als moderner Gastronomie- und Kulturort eröffnet wurde, steht vor einer ungewissen Zukunft. Die Betreibergesellschaft Kalle Halle GmbH hat Insolvenz angemeldet. Das berichtete der rbb in der Sendung „Abendschau“. Das Projekt war als Teil des größeren Kalle-Neukölln-Komplexes konzipiert, der aus einem ehemaligen Karstadt-Gebäude und einem Parkhaus besteht und Büros, Veranstaltungsflächen, einen Food-Markt sowie einen öffentlichen Dachgarten umfassen sollte.
Mietstreit zwischen Eigentümer und Betreiber
Zwischen dem Eigentümer des Gebäudekomplexes, dem Immobilienentwickler MREI, und dem bisherigen Betreiber Martin Barry ist ein heftiger Streit um ausstehende Mietzahlungen entbrannt. Eigentümer Hans Stier erklärte gegenüber dem rbb: „Es ist niemals ein einziger Euro Miete gekommen, kein einziger Euro Nebenkosten. Im Gegenteil, wir haben Herrn Barry, der ursprünglich auch noch das Dachgeschoss angemietet hatte, also die doppelte Fläche, dann entlassen aus dem Mietvertrag.“
Martin Barry, Geschäftsführer der insolventen Kalle Halle GmbH, äußerte sich per Videoschalte aus New York zu den Vorwürfen. Er bestätigte, dass Zahlungen ausgeblieben seien, machte jedoch wirtschaftliche Schwierigkeiten am Standort geltend. „Die Realität war, dass es an dem Standort zu wenig Laufkundschaft gab, um das Geschäft auf ein Niveau zu bringen, das den Betrieb aufrechterhalten konnte und wir damit auch die Miete zahlen konnten.“ Zudem behauptete Barry, dass das Konzept gehobener Gastronomie in der Karl-Marx-Straße nicht aufgehe. Viele Arbeitsplätze seien unbesetzt geblieben, sodass weniger Menschen aus den umliegenden Büros die Food Hall in der Mittagspause besuchten. Der Eigentümer widerspricht dieser Darstellung und betont, die Markthalle laufe gut.
Gastronomen übernehmen den Betrieb
Trotz der Insolvenz soll die Food Hall nicht schließen. Wie der Immobilienentwickler MREI in einer Pressemitteilung bekannt gab, übernehmen die zwölf dort ansässigen Gastronomiebetriebe künftig mehr Verantwortung für den Betrieb. Der Vertrag mit dem bisherigen Betreiber sei aufgelöst worden. Die Gastronomen der sogenannten „Stalls“ sollen die Halle eigenständiger führen, während MREI sie weiterhin bei Infrastruktur und Vermarktung unterstützt.
Um mehr Besucher anzulocken, sind neue Veranstaltungen geplant. Zudem sollen Self-Order-Terminals die Abläufe in der Halle verbessern. Der Eigentümer zeigt sich optimistisch, dass das Konzept der Kalle Halle unter der neuen Führung erfolgreich weitergeführt werden kann.



