Mobile Hausarztpraxen in Brandenburg: Chance oder Hindernis?
Mobile Hausarztpraxen in Brandenburg: Chance oder Hindernis?

Die Idee mobiler Hausarztpraxen könnte in Brandenburg eine Lösung gegen den Ärztemangel sein, doch das Gesundheitsministerium sieht noch viele offene Fragen. In strukturschwachen Regionen könnten fahrende Praxen die medizinische Versorgung ergänzen, teilte das Ministerium der Deutschen Presse-Agentur mit. Allerdings gibt es erhebliche Hürden.

Ärztemangel: Jeder fünfte Hausarztsitz unbesetzt

„Bei rund 20 Prozent unbesetzter Hausarztsitze in Brandenburg würde jeder fahrende Hausarzt zusätzlich in seiner Praxis fehlen“, erklärte das Ministerium. Denn die Ärzte müssten mit der mobilen Praxis weite Strecken zurücklegen. Laut Statistischem Bundesamt versorgte ein Hausarzt in Brandenburg im vergangenen Jahr durchschnittlich 1.436 Patienten – bundesweit Spitze. Zum Vergleich: In Bayern waren es 1.114 Patienten, fast ein Viertel weniger. Besonders betroffen sind Regionen wie Jüterbog, Spremberg und Guben.

Hygienische und rechtliche Bedenken

Das Gesundheitsministerium äußerte in einer Antwort auf eine Anfrage des BSW-Abgeordneten Sven Hornauf auch Bedenken zur Hygiene: „Auch mit Blick auf die notwendige Einhaltung hygienischer Anforderungen erscheint fraglich, ob dies zuverlässig gewährleistet werden könnte.“ Zudem sei unklar, wie mehrere Patienten parallel in abgetrennten Bereichen behandelt werden könnten. Die Landesärztekammer Brandenburg sieht mobile Hausarztpraxen als rechtlich unzulässig: „Eine ärztliche Versorgung im Umherziehen ist nach der Berufsordnung sowie dem Heilberufsgesetz ohnehin nicht zulässig“, teilte die Kammer mit. Das Ministerium hält die Option jedoch „rechtlich nicht grundsätzlich für unmöglich“.

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Alternative: Arztpraxen in Gemeinderäumen

Der BSW-Abgeordnete Hornauf fordert Lösungen: „Regionen dürfen keine weißen Flecken bilden oder in der Grundversorgung medizinisch ausbluten.“ Wenn stationäre Lösungen nicht möglich seien, kämen mobile Angebote in Betracht. Das Gesundheitsministerium schlägt stattdessen den Ausbau von Praxen in Gemeinderäumen als Zweigpraxen vor. Diese könnten feste Anlaufzeiten, parallele Betreuung und Telemedizin bieten. Die Debatte zeigt: Brandenburg sucht dringend Wege, die hausärztliche Versorgung auf dem Land zu sichern.

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