Pflegebedürftige und ihre Angehörigen in Thüringen müssen seit dem 1. Juli deutlich tiefer in die Tasche greifen: Die monatliche Eigenbeteiligung für einen Platz im Pflegeheim ist im Vergleich zum Vorjahr um rund 250 Euro gestiegen. Das geht aus einer aktuellen Auswertung des Verbands der Ersatzkassen (vdek) hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.
Durchschnittlich 3.163 Euro Eigenanteil im ersten Jahr
Im Freistaat liegt die durchschnittliche Zuzahlung im ersten Jahr des Heimaufenthalts nun bei 3.163 Euro pro Monat. Vor einem Jahr betrug dieser Wert noch 2.909 Euro. Die Eigenbeteiligung setzt sich zusammen aus dem pflegebedingten Eigenanteil sowie den Kosten für Unterkunft, Verpflegung, Investitionen und Umlagen für Ausbildungskosten.
Nach Angaben des vdek sind vor allem die pflegebedingten Aufwendungen gestiegen. Als Grund nennt der Verband unter anderem höhere Personalkosten infolge einer besseren Bezahlung der Pflegekräfte. Dieser Trend zeigt sich bundesweit: Im gesamten Bundesgebiet liegt die durchschnittliche Eigenbeteiligung im ersten Jahr bei 3.364 Euro – ein Plus von 256 Euro im Vergleich zum Vorjahr.
Regionale Unterschiede: Bremen am teuersten, Sachsen-Anhalt am günstigsten
Die Kosten für einen Pflegeheimplatz variieren regional erheblich. Im Ländervergleich ist die Heimpflege im ersten Jahr in Bremen mit durchschnittlich 3.761 Euro am teuersten. Am niedrigsten ist die monatliche Belastung in Sachsen-Anhalt mit 2.891 Euro. Thüringen liegt mit 3.163 Euro im Mittelfeld.
Die Höhe des Eigenanteils hängt auch von der Verhandlungsstärke der einzelnen Bundesländer bei den Vergütungssätzen sowie von den unterschiedlichen Investitionskosten ab. Die Pflegekassen und die Länder sind gefordert, hier für mehr Transparenz und Entlastung zu sorgen.
Zuschüsse der Pflegekassen entlasten mit der Zeit
Je länger jemand im Pflegeheim lebt, desto stärker greifen die Zuschüsse der Pflegekassen. In Thüringen sinkt die Eigenbeteiligung ab dem zweiten Jahr auf durchschnittlich 2.857 Euro, ab dem dritten Jahr auf 2.448 Euro und ab dem vierten Jahr auf 1.936 Euro. Diese Staffelung soll die finanzielle Belastung für Langzeitbewohner abfedern.
Dennoch bleibt die Situation für viele Pflegebedürftige und ihre Familien angespannt. Die steigenden Kosten führen dazu, dass immer mehr Menschen auf Sozialhilfe angewiesen sind, um die Heimkosten zu decken. Der vdek fordert daher eine grundlegende Reform der Pflegefinanzierung, um die Eigenanteile langfristig zu begrenzen.



