Die Debatte um die abschlagsfreie Rente mit 63 Jahren und 45 Arbeitsjahren kocht wieder hoch. Doch wie viele Berlinerinnen und Berliner nutzen diese Möglichkeit tatsächlich? Eine aktuelle Abfrage bei der Deutschen Rentenversicherung zeigt: Die Zahl ist überraschend niedrig. Das berichtet unser Kollege Hans Cord Hartmann in der heutigen Ausgabe des Newsletters „Morgenpost aus der Chefredaktion“.
Überraschende Zahlen zur Frührente
Im Jahr 2025 haben lediglich rund 3.500 Berliner die Rente mit 63 in Anspruch genommen. Angesichts von über 1,3 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Hauptstadt ist das ein verschwindend geringer Anteil. Viele, die formal die Voraussetzungen erfüllen, arbeiten offenbar freiwillig länger. Gründe dafür könnten finanzielle Anreize, aber auch die Wertschätzung der Arbeit sein.
Die Work-Life-Balance als treibende Kraft
Dennoch bleibt der Wunsch nach mehr Freizeit groß. Die Redakteurin Heike Dietrich, die gerade aus dem Urlaub zurück ist, beschreibt in ihrem Kommentar die Verlockung eines Lebens ohne Beruf: „Abende im Freiluftkino, Kajakfahren am Funkhaus Nalepastraße, Bierchen in der Rooftop-Bar, Power-Bräunen am See.“ Doch sie merkt auch an: „Arbeit nervt“ – ein Satz, der in vielen Branchen, die körperlich, psychisch und familiär belastend sind, auf Zustimmung stößt. Die Work-Life-Balance wird zunehmend zum zentralen Thema der Arbeitswelt.
Wohnen statt Shoppen: Boulevard Berlin wird Wohnquartier
Neben der Rentenfrage gibt es weitere Neuigkeiten aus Berlin. Im Boulevard Berlin an der Schloßstraße sollen ab 2028 insgesamt 217 voll möblierte Apartments entstehen. Das berichtet Isabell Jürgens. Damit reagiert der Eigentümer auf den Wandel der Innenstädte: Immer mehr Einkaufszentren werden zu Wohnraum umgewandelt, um dem Mangel an bezahlbarem Wohnraum entgegenzuwirken.
Adlon-Verkauf: 4000 Gesellschafter stimmen ab
Das berühmte Hotel Adlon könnte bald den Besitzer wechseln. Die mehr als 4000 Gesellschafter des Eigentümerfonds „Fundus-Fonds 31“ stimmen derzeit über einen Verkauf ab. Als Mindestverkaufspreis sind 280 Millionen Euro vorgesehen, wie Hannah Köllen und Paulina Cwiartka berichten. Ein Verkauf würde das Ende einer Ära für das Luxushotel am Brandenburger Tor bedeuten.
Straßenbahnen werden langsamer
Berlins Straßenbahnen verlieren an Tempo: Mit durchschnittlich 17,1 Kilometern pro Stunde bewegten sich die Tramlinien im vergangenen Jahr durch die Stadt. Besonders betroffen ist die M10, die nur auf 14,2 Kilometer pro Stunde kommt und auf der Invalidenstraße in der Hauptverkehrszeit typischerweise sechs Minuten Verspätung hat. Das berichtet Jessica Hanack. Die langsameren Trams führen zu längeren Fahrzeiten und mehr Unmut bei den Fahrgästen.
Schutz für queere Menschen: Fünf-Punkte-Plan der Linken
Nach dem islamistischen Anschlag am Rande des Christopher Street Day legt die Berliner Linke einen Fünf-Punkte-Plan vor, um queere Menschen besser zu schützen. Dazu gehört die Unterstützung des Berliner Antrags, die sexuelle Identität in Artikel 3 des Grundgesetzes aufzunehmen. Der Plan sieht zudem mehr Polizeipräsenz bei CSD-Veranstaltungen und eine bessere Ausstattung von Beratungsstellen vor.
Ausblick auf den Tag
Heute stellt die IHK Berlin die Ergebnisse ihrer Ausbildungsumfragen vor, unter anderem zur Wohnsituation von Auszubildenden. Vor dem Kriminalgericht Moabit beginnt der Prozess gegen einen 43-Jährigen, der in der Neujahrsnacht einen Kältebus der Berliner Stadtmission angezündet haben soll. Der Schaden beträgt rund 70.000 Euro.



