EU-Expertenbericht: Social-Media-Verbot für Kinder rückt näher
Social-Media-Verbot für Kinder rückt näher

Eine von der EU-Kommission eingesetzte Expertenkommission hat einen Bericht vorgelegt, der ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 13 Jahren empfiehlt. Der Bericht, der am Montag veröffentlicht wurde, warnt vor den Gefahren sozialer Medien für die psychische Gesundheit junger Menschen und fordert verbindliche Altersgrenzen sowie strengere Vorgaben für Plattformbetreiber.

Empfehlungen der Expertenkommission

Die Kommission, bestehend aus Psychologen, Pädagogen und Technologieexperten, schlägt vor, dass Kinder unter 13 Jahren keine eigenen Profile auf sozialen Netzwerken haben sollten. Für Jugendliche zwischen 13 und 16 Jahren sollen Plattformen wie TikTok, Instagram oder Snapchat nur mit Zustimmung der Eltern erlaubt sein. Zudem sollen Algorithmen, die süchtig machen können, verboten werden. „Soziale Medien können bei jungen Menschen bleibende Schäden verursachen“, heißt es in dem Bericht. Die Experten verweisen auf Studien, die einen Zusammenhang zwischen exzessiver Nutzung und Angstzuständen, Depressionen sowie Schlafstörungen belegen.

Reaktionen aus Politik und Wirtschaft

EU-Kommissarin für Digitale Wirtschaft, Margrethe Vestager, begrüßte den Bericht als „wichtigen Schritt zum Schutz unserer Kinder“. Sie kündigte an, die Vorschläge in die geplante Überarbeitung des Digital Services Act (DSA) einfließen zu lassen. Die Plattformbetreiber reagierten zurückhaltend. Ein Sprecher von Meta erklärte, man prüfe die Empfehlungen, betonte aber gleichzeitig, dass ein Verbot nicht der richtige Weg sei. „Wir setzen bereits auf altersgerechte Inhalte und elterliche Kontrollen“, so der Sprecher. Der Verband der Digitalwirtschaft Bitkom warnte vor einer Überregulierung und forderte eine differenzierte Betrachtung.

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Konkrete Maßnahmen und Zeitplan

Der Bericht enthält insgesamt 15 konkrete Maßnahmen, darunter eine verpflichtende Altersverifikation bei der Anmeldung sowie Transparenzpflichten für Algorithmen. Die EU-Kommission will bis Ende 2026 einen Gesetzesvorschlag vorlegen. Sollte dieser verabschiedet werden, müssten die Mitgliedstaaten die Regeln innerhalb von zwei Jahren umsetzen. Deutschland hat bereits angekündigt, die Vorschläge zu unterstützen. Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) sagte: „Wir müssen Kinder vor den Gefahren der digitalen Welt schützen. Der Bericht liefert dafür eine wissenschaftlich fundierte Grundlage.“

Kritik und Ausblick

Datenschützer äußerten Bedenken hinsichtlich der Altersverifikation, da diese die Privatsphäre der Nutzer gefährden könnte. Der Bericht empfiehlt daher eine dezentrale Lösung, bei der die Identität nicht zentral gespeichert wird. Die Expertenkommission betont, dass die Maßnahmen nur ein erster Schritt seien. „Wir müssen die Entwicklung genau beobachten und die Regeln anpassen, wenn neue Gefahren auftauchen“, sagte Kommissionsmitglied Professorin Anna Schmidt. Der Bericht soll nun in den Mitgliedstaaten diskutiert werden, bevor die EU-Kommission ihren Gesetzesvorschlag ausarbeitet.

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