Der Münchner Autobauer BMW hat im zweiten Quartal einen Gewinneinbruch von mehr als einem Drittel hinnehmen müssen. Der Nettogewinn fiel um 35 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Als Hauptgründe nannte die Konzernspitze Absatzprobleme auf dem chinesischen Automarkt, einen verschärften Wettbewerb vor allem in Asien sowie die Folgen des Iran-Kriegs.
Herausforderungen in der gesamten Branche nehmen rasant zu
„Die Herausforderungen in der gesamten Automobilindustrie nehmen rasant zu“, sagte der neue BMW-Chef Milan Nedeljkovic. „Ein harter globaler Wettbewerb, steigende regulatorische Anforderungen und die Auswirkungen geopolitischer Konflikte werden unser Geschäftsmodell in den nächsten Jahren prägen.“ Nedeljkovic kündigte an, den bereits eingeleiteten Sparkurs weiter zu verschärfen – nachdem in Deutschland bereits Tausende Arbeitsplätze abgebaut wurden. „Die Organisation und die Prozesse sollten neu gestaltet werden, damit richten wir das Unternehmen auf die sich verschärfenden Rahmenbedingungen der kommenden Jahre aus“, so Nedeljkovic.
Der Umsatz sank im zweiten Quartal um 7,9 Prozent auf knapp 31,3 Milliarden Euro und fiel damit schlechter aus als von Analysten erwartet. Besonders wichtig für BMW ist die Gewinnmarge im Autogeschäft, die auf nur 2,3 Prozent einbrach. Finanzchef Walter Mertl sprach von einem „spürbar verschärften Wettbewerb im globalen Automobilmarkt“. Impulse erhofft sich Mertl unter anderem durch den verstärkten Einsatz von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz.
China bleibt der größte Problemfall für BMW
Die Schwierigkeiten werden vor allem von China angeführt, wo der gesamte Automarkt zuletzt eingebrochen ist. BMW setzte dort fast ein Drittel weniger Autos ab als im Vorjahr. Die Probleme schlagen sich unmittelbar in den Zahlen nieder, da die Münchner erst vor wenigen Jahren die Mehrheit an ihrem chinesischen Gemeinschaftsunternehmen übernommen haben. Anders als die Konkurrenten VW und Mercedes verbucht BMW die Ergebnisse aus China direkt im Autogeschäft. In der Volksrepublik verkauft BMW derzeit fast nur Verbrennerfahrzeuge, deren Absatz jedoch wegen stark gestiegener Treibstoffpreise unter Druck steht.
Besser läuft es für die Münchner dagegen in den USA und Europa. Dort sind vor allem die Elektroautos der „Neuen Klasse“ gefragt. Beim ersten Modell, dem SUV iX3 aus Debrecen, nähere sich die Zahl der Bestellungen der Marke von 100.000 Fahrzeugen. Auch die in München gebaute Limousine i3 treffe nach Beginn der vorgezogenen Bestellphase auf eine hohe Nachfrage. Inzwischen ist fast jeder dritte in Europa verkaufte BMW ein Elektroauto.
Prognose für das Gesamtjahr bleibt gedämpft
Trotz der schwierigen Lage hält BMW an der erst im Juni gesenkten Prognose fest. Statt eines moderaten Dämpfers sagen die Münchner für das Gesamtjahr einen Rückgang des Vorsteuergewinns um mehr als 15 Prozent voraus. Die Gewinnmarge im Autogeschäft soll demnach bei lediglich ein bis drei Prozent liegen. Die Konzernspitze betont, dass die Maßnahmen zur Kostensenkung und Effizienzsteigerung fortgesetzt werden, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Der Sparkurs wird vor allem durch organisatorische Neustrukturierungen und den verstärkten Einsatz digitaler Technologien getragen.



