Alfa Romeo überrascht die Automobilwelt: Die Giulia Quadrifoglio kehrt in die Preislisten zurück. Eigentlich sollte die Produktion der stärksten Giulia bereits 2025 auslaufen, um Platz für elektrische Nachfolger zu machen. Doch aufgrund von Verzögerungen bei der Einführung der E-Modelle und anhaltender Nachfrage nach dem leistungsstarken Benziner ist das grüne Kleeblatt nun wieder bestellbar. Mindestens bis Ende 2027 soll die Sportlimousine weitergebaut werden, bevor eine Nachfolgerin kommt.
Der unverwechselbare Klang des V6
Schon beim Starten des 2,9-Liter-Biturbo-V6 wird klar: Dieser Motor klingt anders. Ein sonorer Bass im Leerlauf, ein heiseres Bellen beim Gasgeben – der Sound erinnert an eine vergangene Ära. Viele Alfisti halten diesen Klang für unersetzlich. Der V6 leistet 382 kW (520 PS) und stemmt 600 Newtonmeter Drehmoment, die ausschließlich an die Hinterräder gehen. Das sorgt für eine beeindruckende Agilität und ermöglicht auf abgesperrter Strecke kontrollierte Drifts. Der Sprint von 0 auf 100 km/h gelingt in 3,9 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei über 300 km/h.
Ein Cockpit aus einer anderen Zeit
Beim Einstieg fühlt man sich in eine andere Epoche versetzt. Das Cockpit umschließt den Fahrer, die digitalen Instrumente liegen in tiefen Röhren, der Startknopf sitzt direkt am Lenkrad. Riesige Bildschirme oder verspielte Lichtinszenierungen sucht man vergeblich. Stattdessen gibt es griffige Drehregler und große Alu-Schaltwippen, die an Maranello erinnern. Das Infotainment wirkt modernisiert, aber mit kleiner Schrift, altmodischer Grafik und trägen Reaktionen wie ein Relikt. Streamen oder Gaming sind nicht möglich – nur Telefonieren und Musik hören. Doch darum geht es hier nicht: Im Mittelpunkt stehen der Fahrer und die Straße.
Erstaunlich alltagstauglich
Die Giulia Quadrifoglio zeigt sich im Alltag handzahm. Sie rollt geschmeidig ab, federt Unebenheiten souverän und bietet selbst nach mehreren Stunden entspannten Sitzkomfort. Der V6 schiebt bereits knapp über Leerlauf kräftig an, sodass man lässig mit niedrigen Drehzahlen cruisen kann. Auf dem Rennkurs entfaltet sie dann ihr volles Potenzial: Bei höheren Drehzahlen wird aus dem Grummeln ein scharfes Fauchen, und die Limousine stürmt mit Vehemenz nach vorn. Die Lenkung zählt zu den präzisesten ihrer Klasse und kommuniziert fein dosiert mit dem Fahrer – ein Erlebnis, das viele moderne Hochleistungsfahrzeuge vermissen lassen.
Preis und Ausstattung
Die Giulia Quadrifoglio kostet 100.700 Euro, über zehn Prozent mehr als zuletzt. Für 2.700 Euro Aufpreis gibt es bis Ende Juni die Version Oro mit goldfarbenen Details. Mit Optionen wie einer Akrapovic-Titanabgasanlage oder einem Sichtkarbondach kann der Preis auf rund 130.000 Euro steigen. Ein Vernunftmodell ist die Quadrifoglio also nicht – aber das war ein Alfa mit grünem Kleeblatt noch nie.
Technische Daten
- Viertürige, fünfsitzige Mittelklasse-Limousine
- Länge: 4,65 Meter, Breite: 1,86 Meter, Höhe: 1,44 Meter, Radstand: 2,82 Meter
- Kofferraumvolumen: 480 Liter
- 2,9-Liter-Sechszylinder-Benziner, 382 kW/520 PS, maximales Drehmoment: 600 Nm bei 2.500 U/min
- Heckantrieb, 8-Gang-Automatik
- 0-100 km/h: 3,9 s, Vmax: 300 km/h
- Normverbrauch: 10,5 Liter/100 km, CO2-Ausstoß: 237 g/km
- Preis: 100.700 Euro



