In der US-Hauptstadt Washington findet eine Trauerfeier für den kürzlich verstorbenen republikanischen US-Senator Lindsey Graham statt. Zu der Zeremonie werden neben Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erwartet. Beide nutzen die Gelegenheit für separate Gespräche mit US-Präsident Donald Trump, bei denen die aktuellen Kriege im Iran und in der Ukraine im Mittelpunkt stehen.
Netanjahu und Trump: Differenzen im Iran-Krieg
Das Treffen zwischen Netanjahu und Trump ist das erste seit Beginn des gemeinsamen US-israelischen Angriffskriegs gegen den Iran vor etwa fünf Monaten. Während Israel nach Medienberichten eine Fortsetzung der Militärschläge anstrebte, setzte Trump zuletzt verstärkt auf eine diplomatische Lösung. Eine vereinbarte Waffenruhe und ein Rahmenabkommen mit Teheran sind nach der jüngsten Eskalation jedoch gescheitert. Für Trump birgt dies innenpolitische Risiken: In knapp 100 Tagen stehen die wichtigen Zwischenwahlen zum US-Kongress an, und der Krieg ist in der Bevölkerung unpopulär. Einige in den USA machen Netanjahu dafür verantwortlich, Trump zum Krieg überredet zu haben.
Das einst enge Verhältnis der beiden gilt seit Monaten als belastet. Netanjahu betonte vor dem Treffen, es sei bereits sein achtes Treffen mit Trump während dessen zweiter Amtszeit – „mehr als mit jedem anderen internationalen Staats- oder Regierungschef“. Er nannte dies „ein großes Privileg, aber auch eine große Verantwortung“. Trump räumte eine „kleine Unstimmigkeit“ mit Netanjahu in der Iran-Frage ein, betonte aber, man liege „ziemlich nah beieinander“. Netanjahu will Trump nach israelischen Medienberichten Geheimdienstinformationen über angebliche iranische Bestrebungen zum Wiederaufbau militärischer Fähigkeiten und zur Entwicklung von Atomwaffen vorlegen. Teheran bestreitet solche Vorwürfe seit Jahren. Die israelische Zeitung „Times of Israel“ kommentierte: „Trump davon zu überzeugen, einen ins Stocken geratenen diplomatischen Prozess zugunsten eines neuen großangelegten Militäreinsatzes aufzugeben, dürfte eine große Herausforderung sein.“ Netanjahu könnte Trump zudem um „grünes Licht“ für neue israelische Angriffe im Iran bitten.
Selenskyj und Trump: Wiedersehen nach Eklat
Trump und Selenskyj haben sich in den vergangenen Wochen bereits mehrfach getroffen, unter anderem beim NATO-Gipfel in Ankara und beim G7-Gipfel in Évian. Dennoch schwingt die Erinnerung an den Eklat im Oval Office mit, als Trump Selenskyj kurz nach seinem Amtsantritt vor laufenden Kameras scharf angriff und das Treffen abrupt beendete. Seither haben sich die Beziehungen gebessert – laut Selenskyj der Wendepunkt ein kurzes Gespräch im Vatikan im April 2025. „Das war ein historischer Moment, da wir unsere Beziehung in 15, 20 Minuten änderten“, sagte Selenskyj der rechten US-Influencerin Laura Loomer. Er sei sehr froh darüber, „da von meinem Dialog mit Trump sehr viele Leben abhingen“.
Selenskyj führt in Washington Gespräche über ein neues Sanktionspaket gegen Russland, das Lindsey Graham kurz vor seinem Tod unterstützt hatte. Die Initiative richtet sich gegen Länder, die russische Energieträger importieren und damit den Krieg gegen die Ukraine finanzieren. Nach Grahams Tod versuchen mehrere Senatoren, das Vorhaben abzuschließen. Kiew erhofft sich davon eine Erhöhung des Drucks auf Moskau.
Vor dem Winter sind für die Ukraine zudem dringend neue Patriot-Flugabwehrraketen notwendig. Zwar steht Kiew vor dem Erhalt einer Produktionslizenz, doch die Einrichtung eigener Fertigungskapazitäten wird Monate dauern und den Bedarf nicht decken. Mitte Juli bezifferte Selenskyj den Mindestbedarf auf 300 Raketen für die drei Wintermonate. Allerdings kämpft Washington eigenen Angaben zufolge selbst mit schwindenden Reserven an Luftabwehrmunition im Krieg gegen den Iran.



