Mit großen Herausforderungen beginnt für Éric Dubois eine neue Ära bei den Eisbären Berlin. Der 56-jährige Kanadier, der zuletzt als Assistent in Ingolstadt arbeitete, übernimmt den Meister der Deutschen Eishockey Liga. Seine Philosophie: Druck und Tempo. Doch zuerst steht etwas ganz anderes im Vordergrund.
Ein neues Kapitel für Dubois
Éric Dubois reiste nicht allein nach Berlin. Seine Frau Jill, eine Amerikanerin aus Atlanta, begleitete ihn. Sie hatte zuvor nicht dauerhaft in großen Städten gelebt und fand die Idee reizvoll, dass ihr Mann die Eisbären trainiert. Während Éric Dubois sich mit dem Klub vertraut machte, erkundete Jill die Shopping Malls – das KaDeWe beeindruckte sie am meisten.
Der familiäre Start verlief reibungslos. Beruflich blieb vieles vage, da die Mannschaft im Urlaub ist. Verteidiger Eric Mik feiert auf Mallorca seinen Junggesellenabschied. Einige Profis wie Yannick Veilleux und Korbinian Geibel traf Dubois jedoch. Der Hauptzweck seines Aufenthalts war die Vertragsunterzeichnung.
Vertrag und Vorgeschichte
Seine Unterschrift ziert seit Mittwoch einen Einjahresvertrag. Dubois kennt die jüngere Historie und die Titelsammlung von Vorgänger Serge Aubin. „Ich betrachte es als Chance, für eine Organisation mit solchen Standards zu arbeiten. Ich möchte Teil dieser Titelmentalität sein“, sagte der Kanadier. Nach einer Schulteroperation trägt er eine Schlinge und muss vorsichtig sein.
Sportchef Stéphane Richer hatte schnell eine klare Idee für die Nachfolge von Aubin, der in die Schweiz wechselte. Vor zwei Jahren besuchte Dubois die Saisonvorbereitung der Berliner für zwei Wochen. „Der Eindruck war sehr positiv“, so Richer. Dubois war damals noch Assistent in Nordamerika.
Der Weg zum Cheftrainer
Vergangene Saison wollte Dubois nach Europa und fragte bei Richer an. „Aber wir waren voll und ich habe den Kontakt nach Ingolstadt hergestellt. Als Serge ging, kam mir Érics Name als erstes in den Kopf“, sagte Richer. Alle Gespräche zeigten, dass sie die gleiche Sprache sprechen. „Das war eine einfache Entscheidung.“
An der fehlenden Erfahrung als Cheftrainer stören sich beide nicht. „Manchmal geht es um den richtigen Zeitpunkt. Ich fühle mich seit einiger Zeit bereit“, so Dubois, der viele Jahre im Nachwuchs als Cheftrainer arbeitete. Bei den Profis ist er seit zehn Jahren Assistent. Skepsis kann er nachvollziehen: „Ich verstehe das, aber darum kann ich mich nicht kümmern.“
Herausforderungen und Pläne
Nach so vielen Titeln wird es immer schwerer, das zu wiederholen. „Wir müssen vorsichtig mit den Spielern sein und sicherstellen, dass sie frisch sind, wenn das Camp beginnt“, erklärte Dubois. Die langen Saisons bergen eine große Erschöpfungsgefahr. Die Frage: Wie hungrig ist das Team nach fünf Titeln in sechs Jahren? „Ich habe verschiedene Ideen, damit umzugehen. Ich bin auf jeden Fall hungrig“, sagte er.
Spielerisch möchte Dubois umsetzen, was aus Ingolstadt bekannt ist: „Ich mag es schnell. Viel Tempo, schnelles Umschalten, den Gegner unter Druck setzen. Aber Titel gewinnst du nicht, ohne defensiv gut zu sein.“ Für Richer geht das mit der Spielkultur der Eisbären einher. „Was heißt ein Name? Wir wollen attraktiv und offensiv spielen. Wir haben unsere Identität“, so der Sportchef.
Trainerstab und Zukunft
Assistent Rob Collins wird den Klub verlassen. André Rankel erhält mehr Verantwortung und übernimmt die Betreuung der Verteidiger. Ein weiterer Co-Trainer wird gesucht. Dubois, dessen Sohn Pierre-Luc in der NHL spielt, wird Ende Juli nach Berlin zurückkehren, um die Saison zu planen. Für die große Ansprache macht er sich bereits Notizen, verrät seine Frau Jill. Die Hauptstadt-Perspektive darf für sie gern mehr sein als ein Intermezzo.



