Ferrari testet mit E-Auto Luce die Loyalität seiner Kunden
Ferrari testet mit E-Auto Luce Kundenloyalität

Ferrari testet mit E-Auto Luce die Loyalität seiner Kunden

Insidern zufolge könnte der Kauf des neuen Ferrari Luce für Fans des Autoherstellers ein Sprungbrett zu beliebteren Modellen sein. Ohne den Luce würden Topkunden ihren Status als solche verlieren.

Ferrari nutzt Bestellungen seines Elektroautos Luce offenbar als Loyalitätstest für vermögende Kunden. Wer das Modell kauft, könnte sich damit den Zugang zu begehrteren Fahrzeugen des Herstellers sichern, berichten mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Die Botschaft, dass der 550.000 Euro teure Ferrari Luce als Sprungbrett zu anderen exklusiven Modellen dienen könne, sei in Teilen des Ferrari-Sammlernetzwerks kommuniziert worden, sagten die Personen. Sie möchten anonym bleiben, da die Information vertraulich ist. Ferrari setzt seit Langem auf ein solches Zuteilungssystem: Stammkunden, die regelmäßig Serienmodelle kaufen, erhalten bevorzugten Zugang zu limitierten Sondereditionen wie dem 2,1 Millionen Dollar teuren LaFerrari Aperta.

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„Es ist wie in einem Restaurant, in dem man normalerweise keinen Tisch bekommt“, sagte Max Girardo, Gründer der Sammlerfahrzeug-Beratung Girardo & Co. sowie ehemaliger Auktionator und Fahrzeugspezialist bei RM Sotheby’s. „Wenn man jede Woche kommt, findet sich irgendwann doch ein Platz. Bei Ferrari gilt: Je mehr man kauft, desto wichtiger wird man als Kunde behandelt.“

Viel Kritik für neues Elektromodell Luce

Die Empfehlung, den Luce zu erwerben, folgt auf den schwierigen Marktstart des viertürigen Modells. Bei der Vorstellung im vergangenen Monat stieß das Design mit seinen weichen Linien und abgerundeten Formen auf Kritik.

Für sein erstes vollelektrisches Modell verzichtete der Sportwagenhersteller auf sein übliches Designteam und beauftragte stattdessen das Studio LoveFrom des ehemaligen Apple-Designchefs Jony Ive. Kommentatoren bezeichneten den Entwurf als beliebig und verglichen ihn mit bereits existierenden Volumenmodellen von Honda und Tesla.

Die Ferrari-Aktie verlor am Mittwoch im Mailänder Handel gegen 12:39 Uhr etwa 1,9 Prozent. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens belief sich damit auf etwa 56 Milliarden Euro. Auf zwölfmonatiger Sicht hat die Aktie ungefähr 22 Prozent an Wert verloren. Bloomberg sprach mit mehr als einem halben Dutzend Investoren und Sammlern aus Italien, China und anderen Ländern, um nachzuvollziehen, wie Ferrari nach der Präsentation des Luce mit seinen Kunden kommunizierte.

Ein Käufer erklärte, Ferrari habe ihm unmissverständlich zu verstehen gegeben, dass die Abnahme des Fahrzeugs wichtig sei, wenn er seinen Status als Topkunde behalten wolle. Ein anderer Sammler berichtete, das Unternehmen signalisiere vielen Kunden – insbesondere potenziellen Neukunden –, dass der Zugang zu zukünftigen Einzelanfertigungen zunächst den Kauf des Luce oder günstigerer Einstiegsmodelle voraussetzen könne.

Ferrari bestätigte auf Anfrage, dass bei der Auswahl von Käufern für „besonders begehrte Modelle, etwa limitierte Editionen“, Kunden mit „langjährigen und starken Beziehungen“ bevorzugt würden. Entscheidend sei jedoch die persönliche Verbindung eines Kunden zu einem Modell und nicht die Verbesserung seines Rankings. „Wir ermutigen Kunden und Sammler nicht dazu, ein Modell ausschließlich zu kaufen, um Ferrari zu gefallen“, teilte das Unternehmen mit. Kunden sollten zunächst prüfen, ob ein Fahrzeug tatsächlich ihren Vorlieben und ihrem Geschmack entspreche.

Der Hersteller, der weniger als 14.000 Fahrzeuge pro Jahr produziert, setzt seit jeher auf künstliche Verknappung als zentrales Verkaufsargument. Eine ähnliche Strategie verfolgen Luxusgüterkonzerne wie Hermès, die für bestimmte Handtaschen lange Wartelisten führen und treue Kunden bevorzugen, die zuvor weniger begehrte Produkte erworben haben.

Luce gilt möglicherweise nicht als Prestigefahrzeug

Während Ferrari den Luce als Möglichkeit präsentiert, die eigene Stellung beim Hersteller zu stärken, können Kunden ihre Loyalität auch durch den Kauf günstigerer Serienmodelle wie des Amalfi oder des 296 GTB unter Beweis stellen. Die Basispreise liegen bei etwa 240.000 beziehungsweise 290.000 Euro.

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Dass Ferrari den Luce in die Gruppe jener Fahrzeuge einordnet, die als Eintrittskarte für spätere Käufe dienen können, könnte darauf hindeuten, dass dem neuen Elektroauto das Prestige einer limitierten Sonderedition fehlt. Zugleich birgt die Strategie Risiken: Sie stellt die Frage, ob loyale Kunden bereit sind, ein Modell zu unterstützen, das sich deutlich von Ferraris traditionellem Markenkern mit Verbrennungsmotoren entfernt.

„Die meisten Leute scheinen das Auto zu hassen und finden es hässlich“, sagte Paul Welch, Gründer der Luxusgüterplattform MillionPlus, die unter anderem Ferraris vermittelt. Gleichzeitig gebe es Interessenten, die den Wagen allein deshalb in Betracht zögen, um bei künftigen Modellen bessere Chancen zu haben und auf der Warteliste aufzusteigen. „Viele spielen dieses Spiel.“

In den Tagen nach der Präsentation in Rom erklärte Vorstandschef Benedetto Vigna, Ferrari habe sowohl von Bestands- als auch von Neukunden Bestellungen erhalten.

Obwohl Ferrari unter den Automobilherstellern eine Sonderstellung einnimmt, hat auch das Unternehmen aus Maranello in der Vergangenheit Modelle erlebt, die hinter den Erwartungen zurückblieben. Häufig wird der zwischen 1980 und 1993 produzierte Mondial als weniger erfolgreiches Fahrzeug genannt. Dennoch genießen selbst vermeintlich weniger begehrte Modelle später oft einen soliden Ruf unter Sammlern. Der Mondial verfügte über vier Sitze und einen V8-Mittelmotor. Das auf höhere Alltagstauglichkeit ausgelegte Fahrzeug war aufgrund seines zusätzlichen Gewichts langsamer als viele andere Ferrari-Modelle.

Autos sind laut einer in diesem Monat veröffentlichten Studie der HSBC die wichtigste Luxusausgabenkategorie ultrareicher Menschen, insbesondere im Nahen Osten. Ferraris erfreuen sich dabei besonderer Beliebtheit – wegen ihrer Exklusivität, ihrer Tradition und ihres Potenzials zur Wertsteigerung. Die Preise haben sich trotz der allgemeinen Schwäche des Luxusmarktes in den vergangenen Jahren robust entwickelt. Nach Angaben des „Wealth Report 2026“ von Knight Frank stiegen die Werte von Luxusautomobilen in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 30 Prozent und übertrafen damit die Entwicklung von Kunstwerken und farbigen Diamanten im selben Zeitraum.

Zu den bekannten Ferrari-Sammlern zählen David Lee, Eigentümer und CEO des Juweliers Hing Wa Lee Jewelers in Los Angeles, sowie der kanadische Immobilienunternehmer Luc Poirier.