Der lang erwartete Schwergewichts-Superkampf zwischen Tyson Fury und Anthony Joshua wird offenbar nicht auf britischem Boden stattfinden, sondern in New York. Das berichtet das Fachportal „Boxingscene“ unter Berufung auf mehrere Quellen. Für die britischen Boxfans, die seit über einem Jahrzehnt auf die „Battle of Britain“ warten, wäre das eine herbe Enttäuschung.
Netflix will US-Primetime
Ursprünglich galt ein Austragungsort in Großbritannien als sicher, nachdem beide Ex-Weltmeister vor einigen Wochen ihren Kampfvertrag unterschrieben hatten. Doch der Streaming-Dienst Netflix, der den für den Herbst geplanten Box-Blockbuster übertragen wird, drängt auf eine US-Primetime. Ein Kampfbeginn zur besten Sendezeit an der US-Ostküste würde auf der Insel mitten in der Nacht liegen – um 2 oder 3 Uhr nachts. Für eine Austragung im Wembley-Stadion vor 90.000 Zuschauern müsste die Stadt London zudem die Sperrstunde rund um das Nationalheiligtum aufheben. Als Alternative galt zuletzt das Principality Stadium in Cardiff, das 80.000 Fans fasst und über ein schließbares Dach verfügt.
Box-Mogul Turki Al-Sheikh, der über den saudischen Staatsfonds PIF die Rechte an dem Kampf hält, betonte zwar wiederholt, er wünsche sich einen Kampf in England, brachte aber auch eine spätere Startzeit ins Spiel. Zuletzt mehrten sich jedoch die Berichte, dass der Kampf in den USA stattfinden wird.
Eddie Hearn bestätigt Angebot aus New York
„Sie haben ein gutes Angebot vom Madison Square Garden erhalten“, sagte Joshuas Promoter Eddie Hearn im Gespräch mit „The Athletic“. Die Matchmacher hätten das Ziel, den Kampf „um drei Uhr morgens britischer Zeit“ anzusetzen, wenn es an der US-Ostküste 22 Uhr ist. „Sie (Al-Sheikh und Netflix, Anm. d. Red.) wollen den Kampf in den USA. Ich denke, Netflix geht davon aus, dass der Kampf in den USA wesentlich höhere Quoten erzielt, wenn er zur amerikanischen Primetime ausgestrahlt wird“, so Hearn.
Für Boxfans außerhalb Großbritanniens wäre der Madison Square Garden ein reizvoller Austragungsort – immerhin fand dort unter anderem der legendäre „Fight of the Century“ zwischen Muhammad Ali und Joe Frazier statt. Dennoch betonte Hearn, dass er und Joshua weiterhin einen Kampf in Großbritannien bevorzugen. „Wir haben darauf bestanden, dass das Bestandteil des Vertrags ist. Sollte sich daran etwas ändern, müssen wir das gemeinsam besprechen. Man kann nicht einfach bekannt geben, dass das Event in den USA stattfindet – auch wenn sie das möglicherweise tun werden. Sollte es tatsächlich so kommen, wäre das ein erhebliches Problem“, sagte der 47-Jährige.
Fury: „Wenn der Kampf auf dem Mars ist, gehen wir dorthin“
Tyson Fury zeigt sich derweil pragmatisch. „Es ist mir egal, wo der Kampf ist. Man nennt uns nicht ohne Grund Preiskämpfer. Wenn der Kampf auf dem Mars ist, gehen wir dorthin, um zu kämpfen. Wer auch immer das Geld bezahlt, entscheidet, wo es stattfindet“, sagte der 37-jährige Ex-Weltmeister bei IFL TV. Laut Medienberichten stehen bei Fury vs. Joshua rund 200 Millionen Pfund (235 Millionen Euro) im Topf, die Rivalen sollen das Preisgeld 50:50 teilen.
Beide Boxer mit Siegen in Vorbereitungskämpfen
Fury hatte am 23. Juli seinen Aufbaukampf in Thailand gegen den 46-jährigen Polen Mariusz Wach durch Abbruch in Runde sieben gewonnen. Joshua zitterte sich tags darauf in Dschidda zu einem Erfolg über den unbekannten Kristian Prenga. Nachdem Prenga den 36-Jährigen in der ersten Runde zweimal zu Boden geschickt hatte, schlug Joshua den Außenseiter in der zweiten Runde mit einer Rechten k.o. Beide Briten waren in ihrer Karriere zweimal Schwergewichts-Weltmeister und schlugen jeweils den langjährigen Dominator Wladimir Klitschko. In ihrer zweiten Regentschaft verloren sie ihre WM-Gürtel an den Ukrainer Oleksandr Usyk – Joshua 2021, Fury 2024.



