Am vierten Verhandlungstag im Berliner Kriminalgericht hat der Angeklagte Oliver H. (42) ein umfassendes Geständnis abgelegt. Der Seriendieb gestand, die Meisterschale der Füchse Berlin gestohlen und anschließend im Keller des Vereins versteckt zu haben. Staatsanwalt Andreas Pritzel wirft ihm gewerbsmäßigen Diebstahl im besonders schweren Fall, gewerbsmäßigen Computerbetrug sowie Fahren ohne Führerschein vor.
Überraschendes Geständnis nach Schweigen
Oliver H., der bereits mehrfach wegen Diebstahls vorbestraft ist, ließ über seinen Anwalt Christian Wowra ein mehrseitiges Geständnis verlesen. Zuvor hatte er von seinem Schweigerecht Gebrauch gemacht und das Verständigungsangebot des Gerichts – zwischen 6,9 und 7,9 Jahre Haft bei umfassendem Geständnis – überdenken wollen. In dem Geständnis erklärte H. seine schwere Kindheit: Er sei in der DDR zwangsadoptiert worden, seine Adoptiveltern sollen Stasi-Mitarbeiter gewesen sein. „Es soll keine Entschuldigung sein, aber die Ungewissheit über meine Herkunft, keine Identität zu haben, war immer belastend“, ließ er verlesen.
Motiv: Die Füchse veräppeln
Vor der Diebstahlserie (2023 bis 2026) um die Meisterschale hatte H. eine ukrainische Flüchtling namens Lilly kennengelernt und geheiratet. „Ich war ein Jahr standhaft, wollte ein neues Leben. Mit erlaubten Mitteln konnte ich meiner Frau nicht bieten, was ich ihr bieten wollte, habe sie über die Herkunft meines Geldes getäuscht“, so der Angeklagte. Er glaubte, nicht erwischt zu werden. „Ich gestehe alle Taten, ich bestreibe nichts und will mich auch nicht vor der Strafe drücken.“ Auf Nachfrage von Bob Hanning, Geschäftsführer der Füchse Berlin, erklärte Verteidiger Wowra: „Mein Mandant hat die Meisterschale aus Jux gestohlen, wollte die Füchse Berlin veräppeln, ihnen eins auswischen, behalten wollte er sie nicht.“
Hanning: „Der Fuchs war eben doch schlauer“
Bob Hanning zeigte sich erleichtert: „Ich bin froh, dass ich jetzt eine Antwort habe und geklärt ist, wie die Schale entwendet wurde und wieso sie dann plötzlich doch nicht weg war und in unserem Keller auftauchte. Bitter ist nur, dass wir das gestohlene Geld (insgesamt 24.300 Euro) nicht wiedersehen.“ Laut Anwalt Wowra wäre H. ohne die versteckte Kamera im Büro der Füchse wohl nicht gefasst worden. Nach dem ersten Gelddiebstahl im September 2025 hatte der Buchhalter eine Mini-Kamera in einer Steckdose installiert. Diese Videoaufzeichnungen überführten den Täter und klärten auch die anderen Taten auf. Insgesamt hatte Oliver H. 25 Einbrüche zwischen 2023 und 2026 begangen, darunter auch bei einer großen Versicherung, die 8200 Euro und 16.100 Euro verlor.



