Der Rat der Stadt Monheim hat am Mittwochabend das Bauleitverfahren für den geplanten „Bayer 04-Campus“ auf einem Gelände der Bayer AG erneut abgelehnt. Mit 25:19 Stimmen bei einer Enthaltung sprach sich die Mehrheit gegen das Projekt aus. Dies ist ein schwerer Schlag für die Zukunftsplanungen von Bayer Leverkusen, kam jedoch nicht überraschend.
Bayer-Boss Carro: „Große Enttäuschung“
Bayer-Boss Fernando Carro (61) zeigte sich enttäuscht: „Dieses Votum ist für uns eine große Enttäuschung. Nach zehn Jahren Planung, zahlreichen geprüften Standorten und schmerzhaften Anpassungen unseres Konzepts hätten wir uns die Chance gewünscht, unser Projekt ab jetzt in einem geordneten Verfahren fachlich bewerten zu lassen.“ Carro kündigte an, die Entscheidung sorgfältig zu analysieren und hartnäckig zu bleiben: „Unser Ziel hat sich nicht geändert: Wir möchten und müssen langfristig die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Bayer 04 Leverkusen national und international konkurrenzfähig bleibt.“
Bündnis aus CDU, SPD und Grünen blockiert Projekt
Aus Sorge um den Grünzug blockiert das Bündnis aus CDU, SPD und Grünen weiterhin das Projekt. Auch die deutlich verkleinerte Variante des Leistungszentrums (10,5 statt 12,5 Fußballfelder) fand im Stadtrat keine Mehrheit. Bayers Sport-Boss Simon Rolfes (44) verfolgte die geheime Abstimmung persönlich im Ratssaal.
Rolfes äußerte sich enttäuscht: „Dieses Ergebnis ist für uns natürlich sehr enttäuschend. Der Campus ist und bleibt das wichtigste Zukunftsprojekt von Bayer 04 Leverkusen. Ohne ein modernes Leistungszentrum wird es auf Dauer immer schwieriger, international wettbewerbsfähig zu bleiben. Das knappe Ergebnis, aber auch die zwischenzeitliche, öffentliche Unterstützung zahlreicher lokaler Sportvereine, Unternehmen und Initiativen bestärken uns auf unserem Weg und darin, dass viele Menschen unsere Argumente teilen.“
Bürgermeisterin schlägt Ratsbürgerentscheid vor
Bürgermeisterin Sonja Wienecke (parteilos) sprach vor der Abstimmung von einer „starken Spaltung in der Gesellschaft“. Sie sagte: „Es ist eine sehr unbefriedigende und unschöne Situation – nicht nur für mich, sondern auch für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Monheim am Rhein.“ In einer zehnminütigen Rede schlug Wienecke überraschend einen Ratsbürgerentscheid zur Lösung „dieser scheinbar aussichtslos verfahrenen Situation“ vor. Dafür wäre eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Rat nötig, deren Erreichbarkeit jedoch fraglich ist. In ihrem Wahlprogramm 2025 hatte sich Wienecke noch klar gegen den ersten Campus-Plan ausgesprochen.
Die hitzige Debatte dauerte über 90 Minuten. Lucas Risse (PETO) kritisierte unter anderem die CDU als Campus-Gegner scharf: „Sie wollen hier nur blockieren.“
Letzte Chance: Bürgerbegehren in Monheim
Jetzt bleibt Bayer 04 nur noch eine Chance: ein Bürgerbegehren in Monheim. Nötig dafür wären 2238 Unterschriften der Einwohner. Rolfes gibt den Traum nicht auf: „Wir werden den Dialog fortsetzen und weiter dafür werben, dass dieser Campus eine große Chance für Monheim, die Region und Bayer 04 ist. Er schafft Perspektiven für den Sport, zusätzliche Arbeitsplätze, stärkt die regionale Wirtschaft und ermöglicht neue Kooperationen mit Schulen und Sportvereinen.“



