Die anhaltende Hitzewelle bei der diesjährigen Tour de France sorgt für heftige Diskussionen unter den Fahrern. Der Gesamtführende Tadej Pogačar übt scharfe Kritik an den Rennbedingungen und fordert grundlegende Änderungen des Rennkalenders. „Wenn ich die Macht hätte, würde ich den gesamten Kalender umstellen und im Juli und August nicht an heißen Orten fahren“, sagte der Slowene in einem Interview. Die Temperaturen auf den Etappen erreichten in diesem Jahr immer wieder Spitzenwerte von über 40 Grad Celsius, was die Gesundheit der Athleten gefährdet.
Ex-Sieger Thévenet: Veranstalter müssen handeln
Der zweifache Tour-de-France-Sieger Bernard Thévenet unterstützt die Forderungen der Fahrer. „Den Veranstaltern ist bewusst, dass sie etwas unternehmen müssen“, erklärte der Franzose. Er sieht jedoch nicht nur die Rennorganisation in der Pflicht, sondern auch die Teams und Fahrer selbst. Thévenet schlägt vor, die Etappen in heißen Regionen früher am Morgen starten zu lassen oder die Renndistanzen zu verkürzen. „Man könnte auch mehr Ruhetage einplanen, um die Belastung zu reduzieren“, so Thévenet.
Gesundheitsrisiken und Leistungseinbußen
Die extreme Hitze führt nicht nur zu körperlichen Beschwerden wie Kreislaufproblemen und Hitzschlägen, sondern beeinträchtigt auch die sportliche Leistung. Nach Angaben von Mannschaftsärzten steigt die Herzfrequenz der Fahrer bei hohen Temperaturen um bis zu zehn Schläge pro Minute, während die Leistungsfähigkeit um bis zu 15 Prozent sinkt. Pogačars Teamkollege und Etappensieger Jonas Vingegaard äußerte sich besorgt: „Es ist nicht nur unangenehm, es ist gefährlich. Wir müssen über Lösungen reden, bevor etwas Schlimmeres passiert.“
Rückblick auf hitzebedingte Vorfälle
Bereits in den vergangenen Jahren gab es hitzebedingte Ausfälle und Zusammenbrüche. Bei der Tour 2023 mussten mehrere Fahrer wegen Überhitzung aufgeben, darunter der deutsche Sprinter Pascal Ackermann. Die diesjährige Tour ist auf dem besten Weg, diesen Negativrekord zu brechen. Bislang haben bereits fünf Fahrer aufgrund von Hitzeproblemen das Rennen vorzeitig beendet.
Forderungen nach flexibleren Regelungen
Neben Pogačar fordern auch andere Spitzenfahrer wie der Belgier Wout van Aert eine Überarbeitung der Wettkampfregeln. „Die UCI und die Veranstalter müssen flexiblere Regelungen schaffen, um auf extreme Wetterbedingungen reagieren zu können“, sagte van Aert. Konkret schwebt ihm vor, dass die Rennleitung bei Hitzewarnungen automatisch kürzere Etappen oder frühere Startzeiten anordnen kann. Die Fahrergewerkschaft CPA hat bereits einen Antrag auf Notfallmaßnahmen bei der Tour de France eingereicht.
Auswirkungen auf die Tour de France 2026
Die Diskussionen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Tour de France 2026 bereits in der Planungsphase ist. Die Organisatoren der Amaury Sport Organisation (ASO) haben angekündigt, die Hitze-Problematik zu prüfen. „Wir nehmen die Kritik ernst und werden gemeinsam mit Teams und Fahrern nach Lösungen suchen“, sagte ein ASO-Sprecher. Ob dies zu einer grundlegenden Änderung des Kalenders führt, bleibt abzuwarten. Pogačar bleibt skeptisch: „Es wird Zeit, dass sich etwas bewegt. Die Gesundheit der Fahrer muss an erster Stelle stehen.“



