In Leipzig entbrennt ein heftiger Streit um ein 57.000 Quadratmeter großes Waldstück. Die Stadtverwaltung plant, die Fläche für die Erweiterung des Trainingsgeländes von RB Leipzig zu nutzen. Doch die Grünen im Stadtrat wehren sich gegen die geplante Rodung, da sich auf dem Areal ein wertvoller Lebensraum für zahlreiche Vogelarten entwickelt hat.
Kompromissvorschlag der Stadt
Die in dieser Woche vorgestellten Pläne der Stadt Leipzig klingen zunächst nach einem Kompromiss. RB Leipzig darf sein Trainingsgelände im südlichen Bereich des Cottawegs erweitern. Gleichzeitig soll die traditionelle Kleinmesse an ihrem angestammten Standort bleiben. Ermöglicht wird dies durch ein bislang ungenutztes Gelände, das direkt am Festplatz und neben der neu gebauten RB-Geschäftsstelle liegt. Am 1. Juli soll der Stadtrat über den Vorschlag der Stadtverwaltung abstimmen.
Widerstand von Umweltschützern
Doch schon jetzt regt sich Widerstand. Denn auf der Fläche, auf der früher Kleingärten standen, ist in den vergangenen 20 Jahren ein kleiner Wald gewachsen. Die Grünen kritisieren die Pläne scharf. „Über 30 brütende Vogelarten wurden in diesem Wald festgestellt – darunter seltene Arten wie Kleinspecht und Star“, betont Dr. Nicole Schreyer-Krieg, die umweltpolitische Sprecherin der Leipziger Grünen. Sie wird noch deutlicher: „Es kann nicht sein, dass wir wieder einmal Waldflächen roden, ohne über angemessene Ausgleichsmaßnahmen nachzudenken. Die Rodung des Waldes am Cottaweg ist ein Unding und zeigt einmal mehr, dass der Stadtverwaltung Kommerz wichtiger ist, als ordentlicher Klima- und Naturschutz.“
Ausgleichsmaßnahmen geplant
Die Stadt schlägt als Ausgleich Ersatzpflanzungen vor, vor allem entlang des Elsterbeckens. Den Grünen reicht das nicht. Sie sprechen von einem unverantwortlichen Schnellschuss von Oberbürgermeister Burkhard Jung. Ob sie die Abholzung des Waldes in der Ratssitzung am 1. Juli stoppen können, ist offen. Formal hat die Fläche keinen Schutzstatus. Laut einer Umfrage der „LVZ“ sieht der Großteil der Parteien im Stadtrat den Verkauf des Waldstücks an RB Leipzig positiv – vor allem wegen des damit verbundenen Erhalts der Kleinmesse an ihrem traditionellen Standort.
Politische Mehrheitsverhältnisse
Für eine absolute Mehrheit im Leipziger Stadtrat sind 36 Stimmen nötig. Die Grünen-Fraktion hat elf von insgesamt 70 Sitzen. Es bleibt abzuwarten, ob es ihnen gelingt, die Rodung zu verhindern oder zumindest bessere Ausgleichsmaßnahmen durchzusetzen. Der Streit zeigt einmal mehr den Konflikt zwischen wirtschaftlichen Interessen und Naturschutz in einer wachsenden Stadt.



