Volkswagen hat im ersten Halbjahr 2026 weltweit 4,13 Millionen Fahrzeuge ausgeliefert – ein Rückgang um sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, als es noch 4,41 Millionen Autos waren. Das geht aus einer Mitteilung des Wolfsburger Unternehmens von diesem Freitag hervor. Besonders schwer wiegt der Einbruch in China, wo die Auslieferungen um 26 Prozent einbrachen und die Zuwächse in anderen Regionen weitgehend zunichtemachten.
Regionen mit Wachstum und Einbruch
In Südamerika stiegen die Auslieferungen um acht Prozent, in Westeuropa um drei Prozent und in Zentral- und Osteuropa um sieben Prozent. Doch die Schwäche auf dem wichtigen chinesischen Markt drückt die Gesamtbilanz deutlich nach unten. „Herausfordernd bleibt die Situation in China, wo wir uns einer deutlich rückläufigen Gesamtmarktentwicklung um rund 20 Prozent nicht entziehen konnten – trotz erster positiver Impulse unserer dort neu eingeführten, lokal entwickelten Elektrofahrzeuge“, sagt Marco Schubert, Mitglied der erweiterten Konzernleitung für Vertrieb.
Auch in Nordamerika lief es für VW zuletzt schwächer. Nach einem kräftigen Wachstum von acht Prozent im zweiten Quartal liegt der Markt nach den ersten sechs Monaten insgesamt nun leicht mit drei Prozent im Minus.
Audi ebenfalls stark betroffen
Die Volkswagen-Tochter Audi lieferte im ersten Halbjahr weltweit 727.245 Fahrzeuge aus – ein Minus von rund sieben Prozent. Allein in China brachen die Auslieferungen um 19 Prozent ein, in Nordamerika um knapp 17 Prozent. Schlimmeres verhinderten Zuwächse in Europa: Außerhalb Deutschlands übergab Audi knapp 256.000 Autos an die Kunden – ein Plus von sechs Prozent. In der Bundesrepublik wuchs Audi um vier Prozent. „Stark nachgefragt waren vor allem die vollelektrischen Modelle“, erklärte Audi.
Radikaler Konzernumbau geplant
Diese Zahlen verdeutlichen die tiefe Krise des Autokonzerns. Der Vorstand beschreibt die Lage als „existenzbedrohend“. Konzernchef Oliver Blume (58) arbeitet an einem neuen „Zielbild 2030“, das radikal ausfallen könnte und für viel Widerstand bei Betriebsrat und Gewerkschaft sorgt. Mehrere deutsche Werke geraten unter Druck: Nach aktuellen Plänen kann VW nicht mehr garantieren, dass in Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm neue Modelle gebaut werden, wenn die aktuellen auslaufen. Die Termine für das geplante Produktionsende: Emden und Zwickau im Jahr 2031, Hannover 2032, Neckarsulm 2034. VW begründet das mit Überkapazitäten von mehr als 500.000 Fahrzeugen in Europa und deutlich höheren Fabrikkosten deutscher Standorte im Vergleich zu anderen europäischen Werken.
Bis zu 120.000 Jobs weg
Laut internen Geheimpapieren zum „Zielbild 2030“, die BILD vorliegen, plant der Automobil-Gigant eine erneute „Anpassung der Personalkapazitäten um rund 55.000 bis 70.000 Mitarbeiter“. Bestehende Vereinbarungen mit der Arbeitnehmerseite sehen bereits einen Abbau von 50.000 Jobs vor. Insgesamt könnten damit bis zu 120.000 Stellen wegfallen. Der Konzern will sich bis 2030 finanziell komplett neu aufstellen. Ziel sind neun Prozent operative Umsatzrendite, 30,6 Milliarden Euro operatives Ergebnis und eine Reduzierung von Entwicklungskosten um rund 50 Milliarden Euro.
Für Kunden bedeutet der Plan: deutlich weniger Modelle und weniger Auswahl. Das globale Modellangebot außerhalb Chinas soll bis 2035 um rund 50 Prozent schrumpfen. Die Variantenvielfalt – Motoren, Ausstattungen, Optionen und technische Versionen – soll um bis zu 75 Prozent reduziert werden.



