VW startet Bau günstigerer E-Autos – aber nur in Spanien
VW startet Bau günstigerer E-Autos in Spanien

Der Volkswagen-Konzern startet heute in Spanien die Produktion seiner ersten beiden Elektro-Kleinwagen, die das Segment erschwinglicher E-Autos erobern sollen. Im Seat-Werk in Martorell laufen der ID. Polo und das Schwestermodell Cupra Raval vom Band. Zwei weitere Modelle von VW und Skoda sollen später im nordspanischen Pamplona folgen. Der Einstiegspreis für den günstigsten ID. Polo liegt knapp unter 25.000 Euro, der Cupra ist rund 1.000 Euro teurer. Konzernchef Oliver Blume zeigte sich bereits auf der IAA in München optimistisch: „Mit dieser neuen Fahrzeugfamilie greifen wir an in einer der volumenstärksten Fahrzeugklassen der Elektro-Mobilität.“ Der Markt für vollelektrische Kleinwagen in Europa werde nach 2030 rund viermal so groß sein wie heute. VW erhofft sich mehrere hunderttausend Verkäufe pro Jahr.

Prominenter Produktionsstart

Zum offiziellen Start reisen neben Blume auch Seat-Cupra-Chef Markus Haupt und VW-Markenvorstand Thomas Schäfer an. Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez wird ebenfalls erwartet. Die Besetzung ist ähnlich prominent wie 2019 der Start des ersten ID-Modells in Zwickau mit Angela Merkel. Bereits im April hatte Blume den Cupra Raval in Madrid als „Meilenstein für Cupra“ bezeichnet. Das Modell zeige, „wie erschwingliche, emotionale und in Europa entwickelte Elektromobilität aussehen kann – ohne Kompromisse bei Technologie, Sicherheit oder Design“. Schäfer ergänzte: „Mit diesem Auto unterstreichen wir, dass elektrische Einstiegsmobilität keine Kompromisse braucht.“ Elektromobilität dürfe kein Luxus sein, sondern müsse funktionieren, bezahlbar sein und im Alltag überzeugen.

Preise und Verfügbarkeit

Der Einstiegspreis von knapp unter 25.000 Euro ist jedoch nicht sofort verfügbar. Zum Start sind Cupra und VW nur besser ausgestattet und mit großer Batterie für über 30.000 Euro erhältlich. Erst ab Juli sollen die günstigeren Einstiegsversionen mit kleinem Akku und weniger PS bestellbar sein. Ausgeliefert wird der ID. Polo dann ab September. Branchenexperte Frank Schwope von der Fachhochschule des Mittelstands in Berlin hält 25.000 Euro für kein echtes Einstiegsmodell. Diese Rolle werde eher der noch günstigere ID. Every1 übernehmen, der 2026 für rund 20.000 Euro aus Portugal kommt. Andere Hersteller bieten bereits günstigere E-Autos: Den Renault Twingo gibt es für rund 20.000 Euro, Dacia Spring und Leapmotor T03 liegen darunter, und der Citroën C3 kostet dank Aktion knapp über 17.000 Euro.

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VW kommt spät, aber nicht zu spät

Schwope sieht VW zwar etwas spät dran, aber nicht zu spät. Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach glaubt, dass die Wolfsburger angesichts hoher Spritpreise und der neuen E-Auto-Förderung in Deutschland genau richtig kommen. „25.000 Euro ist als Startpreis nicht schlecht. Ich glaube, dass das einen breiten Markt trifft.“ Rund 10 Milliarden Euro hat VW zusammen mit Zulieferern in den Umbau in Spanien investiert. Allein drei Milliarden Euro flossen seit 2023 in Martorell. Bis zu 300.000 E-Autos pro Jahr sollen dort gebaut werden. Hinzu kommt eine Batteriezellfabrik in Sagunto bei Valencia und der Umbau des Werks Pamplona, wo noch dieses Jahr die SUV-Schwestermodelle Skoda Epiq und VW ID. Cross anlaufen.

Spanien lockt mit Subventionen

Die Produktion in Spanien ist vor allem kostengünstiger. „In Deutschland lässt sich so ein Modell nicht mehr bauen“, sagt Bratzel. Spanien bietet günstigen Solarstrom für die Batteriefertigung und niedrigere Lohnkosten. Zudem legt der Staat fast 400 Millionen Euro an Fördermitteln obendrauf. VW setzt auf 80 Prozent Gleichteile in den vier Modellen, jedoch nur dort, wo der Kunde es nicht merkt. Die Entwicklung wurde bei Cupra gebündelt, was 600 Millionen Euro eingespart hat. Die deutschen Werke profitieren kaum, aber das konzerneigene Batteriewerk in Salzgitter liefert Akkus nach Spanien. Allerdings kommen nur die teureren Nickel-Mangan-Cobalt-Zellen aus Deutschland; die günstigeren Lithium-Eisenphosphat-Akkus für Basisversionen werden später aus Valencia kommen.

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Verbrenner-Polo macht Platz

Der Betriebsrat in Wolfsburg zeigt sich gelassen. Betriebsratschefin Daniela Cavallo betont, dass VW seine Einstiegsverbrenner schon lange nicht mehr in Deutschland baut. Der Polo lief bereits als Verbrenner in Spanien vom Band, im selben Werk, das jetzt für ID. Cross und Skoda Epiq umgebaut wird. Die Produktion des Verbrenner-Polos wurde 2024 nach Südafrika verlegt. „Klar ist: In Deutschland produzieren wir eher komplexere Modelle mit höheren Margen als bei kleinen Fahrzeugen“, sagte Cavallo. Dennoch profitierten die deutschen Standorte, da günstige Modelle Kunden an die Marke heranführen. „Für die Marke ist es trotzdem wichtig, wenn Kunden später vom Kleinwagen auf größere Modelle umsteigen.“ Diese könnten dann aus deutscher Fertigung kommen.