Wimbledon-Sieger erhält achtmal mehr Preisgeld als Tour-de-France-Champion
Wimbledon-Sieger erhält achtmal mehr als Tour-Sieger

Der Unterschied im Preisgeld zwischen dem wichtigsten Tennisturnier der Welt und dem bedeutendsten Radrennen könnte kaum größer sein. Während der Wimbledon-Sieger – in diesem Jahr entweder Alexander Zverev (29) oder Jannik Sinner (24) – 4,2 Millionen Euro mit nach Hause nimmt, erhält der Gewinner der Tour de France, der designierte Sieger Tadej Pogacar (27), lediglich 500.000 Euro. Das bedeutet: Der Tennis-Champion bekommt rund achtmal mehr als der Tour-Sieger. Selbst der Finalverlierer in Wimbledon erhält mit 2,1 Millionen Euro noch viermal so viel wie der Radsport-Champion.

Ungerechte Verteilung oder unterschiedliche Systeme?

Auf den ersten Blick erscheint diese Diskrepanz ungerecht, vor allem wenn man den Aufwand vergleicht. Der Tour-Sieger hat zwischen 80 und 90 Stunden im Sattel gesessen, musste drei Wochen lang täglich bei Wind und Wetter fahren und hatte nur zwei Ruhetage. Der Wimbledon-Sieger hingegen stand bis zum Halbfinale rund 15 Stunden auf dem Court und hatte zwischen den Matches stets einen Tag frei. Der Trainingsaufwand der Radprofis, die täglich vier bis sieben Stunden trainieren, ist ebenfalls deutlich höher.

Doch die Systeme sind grundverschieden. Im Radsport ist es üblich, dass alle Prämien und Preisgelder in einen gemeinsamen Topf geworfen und am Ende der Saison unter allen Angestellten eines Rennstalls aufgeteilt werden – von der Bürokraft über den Busfahrer bis zum Wasserträger. Der Tour-Sieger darf sein Preisgeld also nicht behalten. Tennis generiert dagegen hohe Eintrittsgelder, während der Radsport – mit Ausnahme der letzten Tour-Etappe auf den Champs-Élysées – kaum Eintrittsgelder einbringt.

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Kosten und Gehälter im Vergleich

Ein weiterer Unterschied: Radprofis bekommen von ihren Teams alles gestellt – Anreise, Hotel, Verpflegung und Physiotherapeuten. Im Tennis müssen die Spieler diese Kosten selbst tragen. Die Topstars mieten in Wimbledon ganze Häuser. Zudem haben Tennisprofis kein Grundgehalt wie die Radsportler. Während Tadej Pogacar von seinem Rennstall UAE Emirates 8 Millionen Euro pro Saison erhält und auch Deutschlands Tour-Hoffnung Florian Lipowitz (25) Millionenverträge besitzt, sind dies Ausnahmen. Der vorgeschriebene Mindestlohn für Radprofis liegt bei 38.000 Euro jährlich.

Die finanzielle Kluft zwischen den Topverdienern und den Hinterbänklern ist in beiden Sportarten groß. Die hinteren Plätze der Tennis-Weltrangliste und die sogenannten Wasserträger im Radsport sitzen finanziell im selben Boot. Letztlich bleibt die Frage nach der Gerechtigkeit der Preisgeldverteilung offen – sie spiegelt die unterschiedlichen wirtschaftlichen Modelle und Einnahmequellen der beiden Sportarten wider.

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