WM 2026: Neue Regeln fordern Schiedsrichter heraus
WM 2026: Neue Regeln fordern Schiedsrichter heraus

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko wird nicht nur sportlich, sondern auch regeltechnisch neue Maßstäbe setzen. Die FIFA hat eine Reihe von Neuerungen beschlossen, die das Spiel fairer und flüssiger gestalten sollen. Im Fokus stehen dabei Maßnahmen gegen Zeitschinden und Schauspielerei. Der langjährige Bundesliga-Schiedsrichter Patrick Ittrich, der seine Karriere im Sommer beendet hat, begrüßt den grundsätzlichen Ansatz, sieht jedoch auch Herausforderungen für die Unparteiischen.

Mehr Tempo durch Countdowns

Eine der auffälligsten Änderungen betrifft die Spielfortsetzung. Neben dem bereits bekannten Countdown bei Torhütern, die den Ball zu lange halten, wird es nun auch bei Einwürfen und Abstößen eine Fünf-Sekunden-Regel geben. Der Schiedsrichter zeigt per Hand an, wie viel Zeit bleibt. Wird das Spiel nicht rechtzeitig fortgesetzt, erhält die gegnerische Mannschaft den Ball. Auch bei Auswechslungen müssen sich die Teams beeilen – wer zu langsam ist, riskiert eine Unterzahl von einer Minute.

Pierluigi Collina, Chef der FIFA-Schiedsrichterkommission, erklärte, Ziel sei es, „das Spieltempo zu erhöhen und die Unterbrechungen zu begrenzen“. Das Spiel solle von „Unarten“ befreit werden. Ittrich findet die Maßnahmen grundsätzlich gut, warnt aber vor möglichen Nebenwirkungen: „Die Ruhephasen für Schiedsrichter und Spieler werden geringer, was zu mehr Verletzungen oder Konzentrationsmängeln führen kann.“ Er ist gespannt, wie sich dies auf die Spiele auswirken wird. Entlastend könnten die festgelegten Trinkpausen wirken, die es wetterunabhängig nach etwa 22 und 67 Minuten geben wird.

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Schluss mit Schauspielerei

Eine weitere wichtige Neuerung betrifft simulierte Verletzungen. Künftig muss ein Spieler, der auf dem Feld behandelt wird, den Platz verlassen und darf erst nach einer Minute zurückkehren. Ausnahmen gelten bei Zusammenstößen, Kopfverletzungen oder Fouls, die eine Karte nach sich ziehen. Der Schiedsrichter fragt den Spieler, ob er medizinische Hilfe benötigt – bejaht er, muss er raus. Ittrich hält diese Regel für „Weltklasse“ und glaubt, dass viele Spieler schnell wieder aufstehen werden. Collina berichtet, dass Tests gezeigt hätten, dass die Zahl medizinischer Interventionen drastisch gesunken sei.

Rote Karte bei Hand vor dem Mund

Eine besonders kontroverse Neuerung betrifft diskriminierendes Verhalten. Spieler, die in einer konfrontativen Situation die Hand vor den Mund halten, können mit der Roten Karte bestraft werden. Collina betont, dass es gezielt um konfrontative Momente geht – normale Unterhaltungen zwischen befreundeten Spielern seien weiterhin erlaubt. Ittrich merkt an, dass ein konkreter Verdacht vorliegen müsse, um eine Rote Karte zu geben. Für Schiedsrichter sei dies eine schwierige Entscheidung, da sie einschätzen müssen, ob tatsächlich Diskriminierung stattfindet.

Insgesamt zeigt sich: Die neuen Regeln sollen den Fußball fairer und attraktiver machen, stellen aber hohe Anforderungen an die Schiedsrichter. Sie müssen nicht nur die Regeln kennen, sondern auch schnell und richtig reagieren. Die WM 2026 wird zeigen, ob die Maßnahmen greifen oder ob sie unerwünschte Nebenwirkungen haben.

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