Als bei ihrem Sohn Ole im Alter von neun Jahren Skoliose diagnostiziert wurde, erinnerte sich Anja Freudling sofort an ihre eigene Kindheit. „Ich wollte auf keinen Fall, dass meinem Kind so ein Martyrium bevorsteht wie mir“, erzählt die Wilhelmshavenerin. Die verkrümmte Wirbelsäule verursacht anfangs kaum Beschwerden, doch eine zügige Behandlung ist entscheidend, um Komplikationen zu vermeiden.
Was ist Skoliose und warum ist Früherkennung wichtig?
Skoliose ist eine seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule, die oft im Kindes- oder Jugendalter auftritt. Ohne Behandlung kann die Krümmung fortschreiten und zu chronischen Schmerzen, Atemproblemen und eingeschränkter Beweglichkeit führen. Je früher die Diagnose gestellt wird, desto besser sind die Chancen auf eine konservative Behandlung ohne Operation.
Welche Warnzeichen gibt es?
Eltern sollten auf Anzeichen wie ungleich hohe Schultern, ein hervorstehendes Schulterblatt, eine schiefe Hüfte oder einen nach vorne geneigten Oberkörper achten. Auch Kleidungsstücke, die nicht richtig sitzen, oder ein hinkender Gang können Hinweise sein. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt sind wichtig, da die Krümmung oft schmerzfrei beginnt.
Behandlungsmöglichkeiten: Von Korsett bis Operation
Die Behandlung hängt vom Schweregrad der Verkrümmung ab. Bei leichten Fällen reichen Physiotherapie und Haltungsschulung aus. Mittelgradige Skoliosen werden oft mit einem Korsett versorgt, um das Fortschreiten zu verhindern. Nur bei schweren Verkrümmungen (über 40 Grad) ist eine Operation erforderlich, bei der die Wirbelsäule versteift wird. Anja Freudling betont: „Ich habe als Kind selbst lange Korsetts getragen und wollte meinem Sohn diese belastende Zeit ersparen.“
Wann wird eine Operation notwendig?
Eine Operation wird in Betracht gezogen, wenn die Krümmung trotz konservativer Therapie fortschreitet oder bereits sehr stark ist. Der Eingriff, meist eine Wirbelsäulenversteifung, stabilisiert die Wirbelsäule und verhindert weitere Verkrümmungen. Die Entscheidung wird individuell nach Bildgebung und Symptomen getroffen. Frühzeitiges Eingreifen kann eine OP oft vermeiden.
Experten betonen, dass Skoliose keine Seltenheit ist: Etwa 2 bis 3 Prozent aller Kinder sind betroffen. Da die Erkrankung anfangs symptomarm verläuft, sind regelmäßige Screenings in Schulen und beim Kinderarzt empfehlenswert. Anja Freudling rät anderen Eltern, aufmerksam zu sein: „Je früher man handelt, desto mehr Leid kann man vermeiden.“



