Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins am 23. Juli 2026 unverändert bei 2,25 Prozent belassen. Der für Verbraucher relevante Einlagenzins bleibt damit stabil. Diese Entscheidung entspricht den Erwartungen der Finanzmärkte, die zuvor mehrheitlich von einer Zinspause ausgegangen waren.
Florian Pfaffinger, Zinsexperte beim Kreditvermittler Dr. Klein, ordnet die aktuelle Lage ein: „Kurzfristige Zins-Dellen ließen sich dann mit guter Vorbereitung nutzen, sollten jedoch keinesfalls die Basis einer Finanzierung darstellen.“ Er prognostiziert für die kommenden Wochen eine Seitwärtsbewegung mit Schwankungen, mittelfristig mit einer geringen Aufwärtstendenz.
Bauzinsen orientieren sich an Kapitalmarktzinsen
Die Bauzinsen folgen weniger dem EZB-Leitzins, sondern vielmehr den Renditen der Bundesanleihen. Diese wiederum reagieren auf geopolitische Entwicklungen und Inflationserwartungen. Nach einem kurzzeitigen Rückgang der Bauzinsen Anfang Juli – der repräsentative Zins von Dr. Klein lag bei 3,32 Prozent für eine zehnjährige Baufinanzierung – ist nun wieder ein Aufwärtstrend zu beobachten.
Hintergrund sind die jüngsten militärischen Spannungen zwischen den USA und dem Iran, die den Ölpreis und damit die Inflationssorgen erneut ansteigen ließen. In der Folge zogen die Renditen der Bundesanleihen und – mit Verzögerung – auch die Bauzinsen wieder an. Pfaffinger warnt: „Eine Drei vor dem Komma ist aktuell definitiv ein attraktives Angebot.“ Mit einer schnellen Entspannung rechnet er nicht.
Banken erhöhen Bauzinsen – Beispiele im Überblick
Mehrere Geldinstitute haben ihre Konditionen für Immobilienkredite in den letzten Tagen angehoben. Die ING erhöhte die Zinsen über alle Zinsbindungen um 10 Basispunkte. Im repräsentativen Beispiel der Bank für ein Darlehen von 300.000 Euro mit 15 Jahren Zinsbindung und 3 Prozent anfänglicher Tilgung liegt der effektive Jahreszins nun bei 4,38 Prozent (zuvor 4,20 Prozent). Die monatliche Rate steigt auf 1817,50 Euro – das sind 42,50 Euro mehr pro Monat.
Die Commerzbank hob die Bauzinsen ebenfalls an. Im repräsentativen Beispiel mit 100.000 Euro und zehn Jahren Zinsbindung steigt der effektive Jahreszins auf 4,00 Prozent (zuvor 3,88 Prozent). Die monatliche Rate erhöht sich um 5,68 Euro auf 1009,13 Euro. Die Allianz kündigte eine Erhöhung auf 4,74 Prozent effektiv an (zuvor 4,69 Prozent).
Vergleich der Vermittler zeigt deutliche Unterschiede
Ein aktueller Vergleich der Kreditvermittler offenbart erhebliche Zinsunterschiede. Bei einem Fallbeispiel – Kauf einer Bestandsimmobilie für 400.000 Euro mit 80.000 Euro Eigenkapital, zehnjähriger Zinsbindung und zwei Prozent Tilgung – liegen die effektiven Jahreszinsen zwischen 3,81 Prozent (Dr. Klein und DTW Immobilienfinanzierung) und 4,07 Prozent (Baufi24). Die monatliche Rate variiert zwischen 1677 Euro und 1751 Euro, was eine jährliche Differenz von rund 888 Euro ausmacht.
Pfaffinger rät: „Es lohnt sich, in einer so volatilen Zeit wie heute verschiedene Angebote einzuholen. Kreditinstitute reagieren unterschiedlich schnell auf die geopolitische Nachrichtenlage, sodass die Zinssätze variieren können.“
Ausblick: Keine Zinswende vor der Sommerpause
Die EZB hatte im Juni erstmals seit knapp drei Jahren die Leitzinsen nach oben korrigiert. Eine weitere Erhöhung in diesem Jahr gilt als wahrscheinlich – die Märkte erwarten eine Anhebung auf 2,5 Prozent. Pfaffinger meint jedoch: „Meines Erachtens wird ein Schritt erst nach der Sommerpause kommen.“ Die Konjunktur bleibt schwach, und die jüngsten Inflationsdaten liefern keinen Anlass für eine Zinserhöhung im Juli.
Für Immobilienkäufer bedeutet dies: Die Phase günstiger Bauzinsen scheint vorerst vorbei. Wer eine Finanzierung plant, sollte die aktuellen Angebote genau vergleichen und gegebenenfalls kurzfristige Zinsdellen nutzen. Eine langfristige Planung auf Basis niedriger Zinsen ist nach Einschätzung der Experten jedoch riskant.



