Dax nähert sich Rekordhoch: Sentiment verbessert sich leicht
Dax nähert sich Rekordhoch: Sentiment leicht verbessert

Der deutsche Leitindex Dax hat sich am Montag seinem Rekordhoch von 25.900 Punkten angenähert und notierte zeitweise 1,5 Prozent im Plus bei über 25.500 Zählern. Auslöser ist die Hoffnung auf eine Friedenslösung im Nahen Osten, nachdem die USA ihre tagelangen Angriffe auf den Iran vorläufig beendet haben. Dies drückt die Energiepreise und gibt den Märkten Auftrieb. Sollte die Entwicklung anhalten, könnte der Dax laut der jüngsten Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment weiter steigen.

Sentiment bleibt negativ – aber mit Aufwärtstendenz

Die wöchentliche Erhebung des Handelsblatts, bei der mehr als 10.000 Privatanlegerinnen und -anleger von Freitagmorgen bis Samstagabend befragt werden, zeigt eine leichte Verbesserung der Stimmung. Der Sentiment-Index stieg von minus 3,5 Punkten in der Vorwoche auf minus 2,8 Punkte. Dennoch liegt er weiterhin im negativen Bereich, wobei Extremwerte bei minus vier Zählern beginnen. „Nur wenige Anleger rechnen mit einem kurzfristigen Aufwärtstrend“, analysiert Stephan Heibel, Geschäftsführer des Analysehauses AnimusX, der die Daten auswertet und um weitere Indikatoren ergänzt.

Steigen die Kurse überraschend, müssen viele ihre Positionen überdenken, was zusätzliche Käufe auslösen und die Kurse weiter nach oben treiben könnte. Auch das Maß der Verunsicherung, das anzeigt, ob sich die Erwartungen der Teilnehmer in der vergangenen Woche erfüllt haben, verbesserte sich leicht von minus 4,9 auf minus 3,4 Punkte. Dass mehr als die Hälfte der Anleger angab, ihre Erwartungen hätten sich kaum oder gar nicht erfüllt, unterstreicht die negative Einschätzung. Tatsächlich wurden viele von dem Kursplus von 1,1 Prozent, das der Dax in der Vorwoche erzielte, überrascht.

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USA und Deutschland laufen auseinander

Bemerkenswert ist der Unterschied zwischen den USA und Deutschland: Während der Dax stieg, verlor der marktbreite S&P 500 in der vergangenen Woche 0,7 Prozent. Heibel führt dies auf eine veränderte Wahrnehmung des Künstliche-Intelligenz-Booms zurück. „Die KI-Rally, die in den vergangenen Monaten auch den S&P 500 mit nach oben zog, drückte den Index nun nach unten. Den Dax erreicht das aber nicht, weil er kaum KI-Werte enthält“, erklärt der Experte. Da KI-Aktien die meiste öffentliche Aufmerksamkeit erhielten, dominierten in der Wahrnehmung deren Verluste, während die Erfolge von Versorgern, Pharmakonzernen und Finanztiteln kaum Beachtung fänden.

Absicherungsstrategien dominieren

Die kurzfristige Skepsis spiegelt sich auch am Terminmarkt wider. Daten der Börse Stuttgart zeigen, dass Privatanleger vornehmlich Put-Optionen kaufen, die bei fallenden Kursen im Wert steigen. „Absicherungen sind gefragt, um sich gegen den nächsten Ausverkauf, vielleicht gegen das finale Crescendo der aktuellen KI-Korrektur, abzusichern“, kommentiert Heibel. Auch institutionelle Anleger greifen zu Put-Optionen, wie Daten der europäischen Terminbörse Eurex belegen. „Das Put/Call-Verhältnis für den Dax steigt auf 2,8 und notiert damit bereits im Extrembereich“, sagt der Sentiment-Experte. Ein Wert über 1 signalisiert überwiegende Pessimismus.

Mittelfristig bleibt Zuversicht moderat

Trotz der kurzfristigen Vorsicht bleiben die Anleger mittelfristig moderat zuversichtlich. Der entsprechende Indexwert, der die erwartete Marktphase in drei Monaten misst, notiert erneut bei 1,3 Punkten. Die Kaufbereitschaft stieg sogar leicht von 0,7 auf 1,2 Punkte. Heibel sieht darin eine konstruktive Ausgangslage: „Bezüglich der künftigen Entwicklung haben Anleger alle Sicherheitsmechanismen aktiviert, die ihnen verfügbar sind. Es hat den Anschein, als seien sich alle Anleger einig, dass der Ausverkauf im KI-Sektor böse enden muss.“ Genau das spreche jedoch gegen eine solche Entwicklung, da die Sentiment-Theorie die Stimmung als Kontraindikator betrachte. „Wenn Anleger sich bereits auf fallende Kurse vorbereitet haben, ist ein erheblicher Pessimismus in den Kursen enthalten. Dadurch könnte ein Abverkauf entweder früher enden als erwartet oder sich länger und ohne heftige Verluste hinziehen.“

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Heibel rät zu Zukäufen

Das Fazit des Experten: „Die Sentiment-Daten signalisieren, dass es nun wieder an der Zeit ist, sich über Zukäufe Gedanken zu machen.“ Viele KI-Aktien seien inzwischen wieder günstiger geworden, aber auch Aktien anderer Segmente seien nicht überteuert. Heibel schließt nicht aus, dass sich Anleger in diesem Sommer frühzeitig für eine erwartete Herbstrally positionieren. Die Kursentwicklung am Montag zeige zumindest eine gewisse Kaufbereitschaft. Insgesamt deutet die Gemengelage darauf hin, dass der Dax trotz der anhaltenden Unsicherheiten weiteres Potenzial nach oben haben könnte.