KI-Wunderkind: Eilverkauf an Citadel nach Kursrutsch
KI-Wunderkind: Eilverkauf an Citadel nach Kursrutsch

Der ehemalige OpenAI-Mitarbeiter Leopold Aschenbrenner, in Berlin geboren und einst als „KI-Nostradamus“ gefeiert, hat den bislang schwersten Rückschlag seiner Fonds-Karriere erlitten. Sein Hedgefonds Situational Awareness musste nach dem Kurssturz bei Halbleiter-Aktien einen Großteil seines Portfolios an börsennotierten Unternehmen mit deutlichem Abschlag an den Hedgefonds Citadel von Milliardär Ken Griffin abtreten. Das berichten „Wall Street Journal“ und CNBC übereinstimmend.

Aschenbrenner bestätigte die Transaktion in einem Brief an seine Investoren, den der Silicon-Valley-Podcast „TBPN“ veröffentlichte. „Ein Teil der Anteile an börsennotierten Unternehmen wurde als Paket verkauft“, schrieb er. Er übernehme „die volle Verantwortung“. Zugleich versicherte er: „Der Fonds wurde nicht geschlossen oder liquidiert.“ Sein eigenes Kapital stecke weiterhin in dem Fonds, und er werde beweisen, dass ihn die Ereignisse zu einem klügeren Investor gemacht hätten. Citadel und Situational Awareness wollten sich auf Anfrage nicht äußern.

Der kometenhafte Aufstieg des KI-Fonds

Aschenbrenner, ein Mittzwanziger mit Berliner Wurzeln, sorgte vor rund zwei Jahren mit einem Essay über „Situational Awareness“ für Aufsehen. Darin argumentierte er, Künstliche Intelligenz werde die Welt radikal verändern – und die meisten Menschen seien sich dessen noch nicht bewusst. Kurz darauf gründete er den Hedgefonds unter demselben Namen. Das Versprechen: in die Zukunft investieren. Der Fonds kaufte alles rund um KI – Infrastruktur, Chips, Energie für Rechenzentren. Auf der Welle des KI-Booms wuchs das Portfolio den Berichten zufolge von einigen hundert Millionen auf 45 Milliarden Dollar. Andere Investoren kopierten Aschenbrenners Strategie, er wurde als „Wunderkind“, „Orakel“ und „KI-Nostradamus“ gefeiert.

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Der Absturz im Juli

Doch der Fonds war hochriskant aufgestellt. Laut CNBC hatte Situational Awareness etwa viermal mehr geliehenes Geld als eigenes Kapital im Einsatz. Als die Aktienkurse von Halbleiter-Unternehmen im Juli steil nach unten fielen, forderten Banken zusätzliche Sicherheiten. Um diese Margin Calls zu bedienen, musste der Fonds plötzlich Liquidität beschaffen – notfalls durch den Verkauf von Positionen. Erschwerend kamen Leerverkäufe hinzu. Der Fonds hatte auf fallende Kurse bei Software-Firmen gewettet, deren Geschäft durch Künstliche Intelligenz bedroht wird. Doch genau diese Aktien erholten sich im Juli deutlich. Die Wetten drohten Verluste einzubringen – Situational Awareness geriet in eine Zangenbewegung.

Citadel schlägt zu

Die Notlage des KI-Fonds nutzte Citadel. Laut „Wall Street Journal“ erwarb der Hedgefonds von Ken Griffin das Paket mit einem Abschlag von mehr als zehn Prozent auf den Marktwert. Den Medienberichten zufolge behielt Situational Awareness jedoch seine Beteiligung an der KI-Firma Anthropic – das „Kronjuwel“, das auf 3,5 bis 5 Milliarden Dollar geschätzt wird. Die verbliebenen Investments seien weiterhin mehr als zehn Milliarden Dollar wert. Aschenbrenner betonte in seinem Brief: Seit Jahresbeginn gerechnet liege der Fonds trotz der Verluste immer noch 80 Prozent im Plus.

Berliner Wurzeln, steile Karriere

Aschenbrenner wurde als Sohn eines deutschen Ärzteehepaares geboren und besuchte die John-F.-Kennedy-Schule in Berlin, wo er zwei Klassen übersprang. 2016 gewann er im Alter von 14 Jahren bei „Jugend forscht“ einen Preis in der Kategorie Geo- und Raumwissenschaften und legte im selben Jahr sein Abitur ab. 2021 schloss er mit 19 Jahren sein Studium an der Columbia University als Jahrgangsbester ab – mit den Hauptfächern Wirtschaftswissenschaften sowie Mathematik und Statistik. Ob ihn die jüngste Krise langfristig geprägt hat, wird sich zeigen. Aschenbrenner selbst kündigte an, beweisen zu wollen, dass ihn die Ereignisse zu einem klügeren Investor gemacht haben.

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