Der Bund hat im vergangenen Jahr 222 Euro pro Kopf in das Schienennetz investiert – ein deutlicher Anstieg gegenüber 198 Euro im Jahr 2024. Das geht aus einer Auswertung des Interessenverbands Allianz pro Schiene und der Unternehmensberatung SCI Verkehr hervor. Trotz dieser Mittel bleibt der Zustand des Netzes jedoch schlecht: Die Note 3,0 (befriedigend) wurde erneut vergeben, wie der aktuelle Bericht der DB InfraGo zeigt.
Allianz pro Schiene fordert langfristige Finanzierung
Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, kritisierte die jährliche Abhängigkeit der Investitionen vom Bundeshaushalt: „Investitionen ins Schienennetz dürfen nicht Jahr für Jahr davon abhängig gemacht werden, wie viel im Bundeshaushalt übrig bleibt. Der Bund muss endlich eine verlässliche Finanzierung über mehrere Jahre aufbauen, wie es etwa in der Schweiz seit vielen Jahren der Fall ist.“
Die Auswertung zeigt, dass die Pro-Kopf-Investitionen zuletzt kontinuierlich gestiegen sind. 2024 lagen sie bei 198 Euro, 2023 bei 185 Euro. Dennoch bleiben viele Strecken sanierungsbedürftig und überlastet. Alle Anlagen mit einer Note von 4 oder schlechter gelten als erneuerungsbedürftig.
Baustellen und Netzbelastung
Die DB InfraGo absolvierte 2025 rund 26.000 Baustellen. Diese sorgten zwar für Verspätungen und Ausfälle, zeigen aber auch, dass Geld in die marode Infrastruktur fließt. Die Zustandsnote des Netzes blieb jedoch unverändert bei 3,0. Der Bericht wird jährlich von der Bahn selbst erstellt.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) begrüßte grundsätzlich mehr Wettbewerb auf der Schiene, mahnte aber: „Ich möchte natürlich nicht, dass es ein Unternehmen gibt, das sich nur lukrative Strecken raussucht und mit den lukrativen Strecken viel Geld verdient und es an anderen Stellen im Netz und in der Verbindung ein Problem gibt.“ Er betonte, dass die Fernzuganbindungen abseits der großen Metropolregionen erhalten bleiben müssten.
Italo plant Markteinstieg 2028
Hintergrund der Debatte ist der angekündigte Markteinstieg des italienischen Unternehmens Italo. Ab 2028 will Italo mit 30 Hochgeschwindigkeitszügen auf 56 täglichen Verbindungen fahren – zunächst auf den Strecken München–Frankfurt–Köln–Dortmund im Stundentakt und München–Berlin–Hamburg alle zwei Stunden. Damit würde der staatseigene DB-Konzern erstmals ernsthafte Konkurrenz im Fernverkehr bekommen.
Bislang dominiert die Deutsche Bahn rund 95 Prozent des Fernverkehrs in Deutschland. Im vergangenen Jahr waren 136 Millionen Menschen in ihren Fernzügen unterwegs. Einziger größerer Wettbewerber ist die Reiseplattform Flix mit ihren grünen Zügen.
Kritik an möglichen Folgen für Regional- und Fernverkehr
Fahrgastverbände, Gewerkschaften, Verkehrsverbünde und die Bahn selbst warnen vor negativen Auswirkungen des Italo-Einstiegs. Die Verbünde im Regionalverkehr fürchten, auf dem ohnehin überlasteten Netz rund um die Knoten nicht mehr zum Zug zu kommen. Im Fernverkehr besteht die Sorge, dass die Bahn Nebenverbindungen nicht mehr finanzieren kann, wenn sie auf den wirtschaftlichen Rennstrecken zwischen Metropolregionen Trassen abgeben müsste. Die Bahngewerkschaft EVG warnte sogar, dass 16 Städte vom Fernverkehr abgekoppelt werden könnten.
Schnieder stellte klar: „Wenn sich das System komplett umkehrt, und das im großen Stile nicht mehr der Fall wäre, dann wäre das eine Marktentwicklung, bei der man überlegen muss: Kann ich das verändern? Muss ich das verändern?“



