Coldplay-Konzerte als Vorbild: Mega-Events und Klimaschutz
Coldplay: Wie Mega-Events klimafreundlicher werden können

Bei Mega-Events wie Fußball-Weltmeisterschaften oder Konzerttourneen verursacht die An- und Abreise der Zuschauer den Großteil der Kohlendioxid-Emissionen. Ein Forschungsteam der Universität Cambridge zeigt in einer neuen Studie, wie Veranstalter diese Emissionen senken können – und hebt die britische Band Coldplay als positives Beispiel hervor.

Studie: Fanreisen dominieren CO2-Bilanz

Die vier Forscher veröffentlichten ihre Ergebnisse im Journal „Communications Sustainability“. Sie analysierten die Emissionen von Coldplays Europa-Tour 2024 mit 32 Konzerten sowie die anstehende Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Mexiko und Kanada. Ihr Fazit: Die betrieblichen Emissionen an den Veranstaltungsorten sind nur ein Bruchteil des gesamten CO2-Fußabdrucks. Hauptautor Shaun Larcom betont: „Wirksame Klimastrategien für Mega-Events gehen weit über die Reduzierung der betrieblichen Emissionen hinaus.“

Coldplay halbiert Emissionen durch Fan-Anreize

Coldplay setzte bei seiner Tour auf Solaranlagen, aufladbare Autobatterien, emissionsärmere Kraftstoffe und vor allem Anreize für Fans. Über eine App konnten Fans die CO2-Emissionen ihrer Reise berechnen und erhielten für die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln oder Fahrgemeinschaften Rabatte auf Fanartikel im Online-Shop. „Auf dieser kleinen Ebene war ein gewisses Maß an Vertrauen erforderlich“, sagt Mitautor Jascha Servi. Nach der Tour ließ die Band die Emissionsreduktion vom Massachusetts Institute of Technology verifizieren. „Diese belegte, dass die Fans insgesamt ihren selbst angegebenen Reiseweg tatsächlich eingehalten haben.“

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97 Prozent der Emissionen stammen von Fanreisen

Die Klimamaßnahmen reduzierten die direkten Treibhausgasemissionen der Band und der Konzerte um 59 Prozent. Diese machen jedoch nur einen Bruchteil der Gesamtmenge aus: 97 Prozent der Gesamtemissionen der Tour 2024 stammten aus den Reisen der Fans. Diese sanken um rund 48 Prozent. Insgesamt wurden bei der Tour Treibhausgase in Höhe von 58,5 Kilotonnen CO2-Äquivalenten ausgestoßen – etwa so viel wie der jährliche Ausstoß von 5.700 Bundesbürgern.

Wirtschaftliche Schäden durch Emissionen

Das Team berechnete die wirtschaftlichen Schäden der Emissionen anhand eines globalen Durchschnittswerts von 186 US-Dollar pro Tonne CO2-Äquivalent. Für Coldplays Tour ergibt sich ein Gesamtschaden von 10,8 Millionen US-Dollar, was etwa 4,7 Prozent der Ticketeinnahmen entspricht. Für die WM 2026 mit 104 Spielen schätzen die Forscher einen Ausstoß von 4,23 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten – vergleichbar mit den jährlichen Emissionen von 785.000 Europäern. 82 Prozent entfallen auf Fanreisen. Die wirtschaftlichen Schäden beziffern sie auf 787 Millionen US-Dollar.

Drei zentrale Vorschläge für Mega-Events

Die Forscher schlagen drei Maßnahmen vor: Erstens eine Erhöhung der Ticketpreise mit Rückvergütung für nachweislich nachhaltige Anreise. Die Käufer seien bereit, mehr zu zahlen, wie Daten aus Sekundärmärkten zeigten. Zweitens sollten Veranstaltungsorte so gewählt werden, dass der Reiseaufwand minimiert wird. „Für die Weltmeisterschaft könnte eine Verlegung der Veranstaltung nach Europa die Reise-Emissionen erheblich reduzieren, da etwa 40 Prozent der internationalen Teilnehmer von dort kommen“, heißt es in der Studie. Drittens sollten Fans ermutigt werden, ihre CO2-Emissionen freiwillig über zertifizierte Kompensationsprogramme zu kompensieren – jedoch erst nach Ausschöpfung aller anderen Optionen.

Stars als Vorreiter im Klimaschutz

Mega-Events generierten einen erheblichen wirtschaftlichen Wert, und Stars hätten eine einzigartige Nähe zu ihrem Publikum, sagt Servi. „Was ihnen sowohl die Mittel als auch den kulturellen Einfluss gibt, um beim Klimaschutz eine Vorreiterrolle einzunehmen.“ Als Beispiel nennen die Forscher die US-Band AJR, die gemeinsam mit lokalen Interessengruppen ihre Fans in Klimaschutzkampagnen einband. Hauptautor Larcom ergänzt: „Wenn Taylor Swift beschließen würde, Klimaverträglichkeit in den Mittelpunkt ihrer Tourneen zu stellen, könnte das mehr Veranstaltungsorte und weniger Reisen für ihre Fans bedeuten sowie Ticketrabatte für Zugfahrten statt Flüge.“

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