Brand in Umspannwerk: Zehntausende in Reutlingen ohne Strom
Ein Feuer in einem Umspannwerk in Reutlingen hat in der Nacht zum Dienstag zu einem großflächigen Stromausfall geführt. Zehntausende Menschen waren betroffen, darunter auch ein Krankenhaus. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts auf Brandstiftung.
Stadtwerke-Chef wird zum Augenzeugen
Jens Balcerek, der Chef der Stadtwerke Reutlingen, wurde in der Nacht selbst Zeuge des Vorfalls. Er sei um 1.40 Uhr aufgewacht und habe bemerkt, dass der Strom ausgefallen sei. „Ich bin dann auf den Balkon gegangen und hab dann nur filmen können von vier Kilometern Entfernung, wie das Umspannwerk abgebrannt ist“, schilderte Balcerek am Vormittag.
Hinweise auf Brandstiftung
Laut dem Netzbetreiber Netze BW gibt es Hinweise auf eine vorsätzliche Brandlegung. Es wurden drei Brandstellen entdeckt, zudem waren der Zaun und das Gelände vor der Anlage beschädigt. Ein Sprecher bestätigte dies am Morgen. Die Polizei und das Landeskriminalamt Baden-Württemberg ermitteln in alle Richtungen. „Wir beziehen ein, ob es eventuell ein technischer Defekt sein könnte oder eine Brandlegung, eventuell fahrlässig oder auch vorsätzlich“, sagte Tina Rempfer vom Polizeipräsidium Reutlingen.
Schäden in Millionenhöhe
Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur entstand durch den Brand und den Stromausfall ein Schaden von mehreren Millionen Euro. In der Nacht waren knapp 200 Kräfte der Feuerwehren im Einsatz, wie Vize-Feuerwehrchef Matthias Hertler mitteilte. Der Brand wurde gegen 5.00 Uhr gelöscht. Gegen 4.45 Uhr war eine außergewöhnliche Einsatzeinlage ausgerufen worden.
Stadtteile weiterhin ohne Strom
Am Morgen waren Teile der Kernstadt wieder mit Strom versorgt, darunter auch das Krankenhaus. Allerdings blieben diverse Stadtteile und umliegende Gemeinden ohne Strom, sagte Oberbürgermeister Thomas Keck (SPD). Betroffen seien der größte Stadtbezirk Betzingen mit über 11.000 Einwohnern, Ohmenhausen mit etwa 5.000 Einwohnern sowie ein Industriegebiet. Insgesamt seien noch 7.600 Haushalte ohne Strom, rund 30.000 Menschen betroffen. „Das ist eine prekäre Situation“, so Keck.
Notfalltreffpunkt eingerichtet
Die Behörden rechnen nicht damit, dass die Stromversorgung schnell wieder vollständig hergestellt ist. Für die Nacht solle ein Notfalltreffpunkt eingerichtet werden, sagte Finanz- und Wirtschaftsbürgermeister Roland Wintzen. Dort könnten Menschen Handys aufladen oder Babynahrung erwärmen. Für einige Kitas werde eine Notbetreuung organisiert. Informationen sollen im Laufe des Tages auf der städtischen Internetseite veröffentlicht werden.
Hilfsorganisationen im Einsatz
Das Deutsche Rote Kreuz und der Malteser-Hilfsdienst sind im Einsatz. Ein Einsatzstab arbeitet im Zentrum für Bevölkerungsschutz in Pfullingen. Ein leitender Notarzt unterstützt vor Ort. Die Hilfsorganisationen bereiten sich auf eine längere Einsatzdauer vor.
Vergleich mit Berliner Anschlägen
Der Vorfall erinnert an zwei mutmaßlich linksextremistische Brandanschläge auf die Stromversorgung in Berlin. Am 9. September 2025 waren nach einem Anschlag auf zwei Strommasten rund 50.000 Privathaushalte und 2.000 Gewerbebetriebe betroffen. Der Stromausfall dauerte rund 60 Stunden. Ein zweiter Anschlag am 3. Januar zerstörte fünf Hoch- und zehn Mittelspannungskabel auf einer Kabelbrücke. Die Stromversorgung war erst nach rund 100 Stunden wieder hergestellt. Damals herrschte eisige Kälte, viele Zentralheizungen fielen aus. In Berlin wird seitdem intensiv über mehr Sicherheit für die Stromversorgung debattiert. Das Land Berlin plant, bis in die 2030er Jahre alle Stromkabel unterirdisch zu verlegen. Der Netzbetreiber Stromnetz Berlin investiert in Sicherheitstechnik und Wachschutz.



