Ein Fischer hat vor der Küste Kretas einen rund 50 Zentimeter langen Riesenkugelfisch der Art Lagocephalus sceleratus gefangen – ein hochgiftiger Eindringling, der Experten zufolge zunehmend zur Gefahr für das Ökosystem und die Fischerei im Mittelmeer wird. Der Fang des Silberwangen-Krötenfischs, den der einheimische Fischer Nikos Kourakis vor Heraklion aus dem Wasser zog, verbreitete sich rasch über soziale Medien.
Ursprung und Ausbreitung
Der Kugelfisch stammt ursprünglich aus dem Roten Meer und gelangte über den Suezkanal ins Mittelmeer. Vor knapp zwei Jahrzehnten wurde die Art erstmals in griechischen Gewässern nachgewiesen. Seither taucht sie rund um Kreta, die Dodekanes-Inseln und in weiteren Teilen der Ägäis immer häufiger auf. Laut Meereswissenschaftlern hat der Fisch im Mittelmeer kaum natürliche Feinde, was ihm eine nahezu ungehinderte Vermehrung ermöglicht.
Hochgiftig und lebensgefährlich
Der Kugelfisch trägt ein hochgefährliches Geheimnis in sich: In seinen Organen reichert sich Tetrodotoxin an, ein extrem starkes Nervengift. Besonders hohe Konzentrationen finden sich in der Leber, den Eierstöcken und der Haut. Für Menschen kann der Verzehr schwere Vergiftungen auslösen und tödlich enden. Aus diesem Grund sind Verkauf und Verzehr des Fisches in Griechenland und der gesamten Europäischen Union strikt verboten.
Schäden an Netzen und Fischbeständen
Mit seinen außergewöhnlich kräftigen Kiefern kann der Kugelfisch Fischernetze und Langleinen beschädigen. Gleichzeitig jagt er wirtschaftlich wichtige Fische und Kopffüßer – zum großen Ärger der Fischer, die ohnehin unter den Folgen der Überfischung und des Klimawandels leiden. Der gefangene Riesenkugelfisch übertrifft mit einer Länge von 50 Zentimetern die durchschnittliche Größe von etwa 40 Zentimetern, ist aber keineswegs ein Einzelfall.
Klimawandel begünstigt Invasion
Experten der Meeresbiologie warnen vor einer weiteren Ausbreitung der Art. Steigende Meerestemperaturen schaffen günstige Bedingungen für tropische Arten wie Lagocephalus sceleratus. Invasive Fische könnten ihr Verbreitungsgebiet künftig noch weiter nach Westen ausdehnen, bis in die Adria und das westliche Mittelmeer. Die einheimische Tierwelt und die Fischerei stünden dann unter noch stärkerem Druck, so die Wissenschaftler.
Keine Entwarnung für Urlauber
Für Touristen auf Kreta besteht beim Baden oder Angeln keine unmittelbare Gefahr, da der Fisch nur bei Verzehr oder direkter Berührung der Innereien giftig ist. Dennoch raten lokale Behörden zur Vorsicht: Sollte ein solcher Fisch ins Netz gehen oder am Strand gefunden werden, ist umgehend die Küstenwache zu informieren. Die Fischer in der Region sind angehalten, die Fänge zu melden, um die Ausbreitung besser dokumentieren zu können.



