Die Hansestadt plant einen radikalen Wärme-Umbau: In nur 13 Jahren sollen drei Viertel aller Häuser eine Wärmepumpe erhalten. Heute heizen noch viele Verbraucher mit Gas, doch die größten Städte wollen das schnell ändern.
Hamburger Heizung-Murks: Ambitionierte Ziele, unklare Wege
Langsam wird es heiß für Deutschlands Städte: Bis Ende Juni müssen sie ihre kommunale Wärmeplanung vorlegen. Die beiden größten Städte haben am Dienstag extrem ambitionierte Pläne beschlossen – und mindestens in Hamburg droht dem rot-grünen Senat ein Heiz-Debakel. Denn Deutschlands größte Industriestadt will bei Gebäudeheizungen bis 2040 aus fossilen Energieträgern ausgestiegen sein. 78 Prozent der Häuser sollen dann eine Wärmepumpe haben, 22 Prozent am Fernwärmenetz hängen. Das gab Energiesenatorin Katharina Fegebank (49, Grüne) nach einem entsprechenden Senatsbeschluss über die Wärmeplanung bekannt. Damit ist Hamburg noch fünf Jahre schneller dran als die meisten anderen Großstädte. Grund ist ein Klima-Volksentscheid in der Hansestadt.
Realität und Herausforderungen
Problem: Es ist völlig unklar, wie diese Ziele in gut 13 Jahren erreicht werden sollen. Denn die Realität sieht heute so aus: 46 Prozent von Hamburgs CO₂-Emissionen entstehen beim Heizen, 83 Prozent der Gebäude werden mit Gas oder Öl gewärmt, nur drei Prozent mit Wärmepumpe. Derzeit kommen laut Senat 250 Wärmepumpen pro Monat dazu. Die Gasheizung wegnehmen kann Rot-Grün den Verbrauchern nicht, die Wärmeplanung ist nicht rechtlich bindend. Und der Betreiber Hamburger Energienetze GmbH hat auch noch keine Pläne zur Abschaltung der Netze. Ein Hebel wird am Ende der Preis. Denn je mehr Kunden vom Gas weggehen, desto weniger teilen sich die teuren Netzentgelte.
Opposition kritisiert unklare Wege zum Ziel
Kritik kommt von der Opposition. CDU-Energieexperte Markus Kranig (37): „Mit der Vorverlegung der Klimaneutralität auf 2040 hat Rot-Grün die Anforderungen an die Wärmewende nochmals deutlich erhöht. Wer die Ziele verschärft, muss auch erklären, wie sie erreicht werden sollen. Genau diesen Nachweis bleibt der Senat bislang schuldig.“
Berlin ebenfalls ambitioniert
Auch in Berlin liegt die Latte hoch. Gas hat hier derzeit einen Anteil von 50,9 Prozent, Heizöl von 14 Prozent. Und in knapp zwanzig Jahren? Null, sagt die Politik! Wie das erreicht werden soll? Der Wärmebedarf soll um ein Fünftel verringert werden durch Dämmung und neue Fenster. Stadt-Portale informieren über Heizungsart. Die Hälfte der Gaskessel und über 80 Prozent der Ölkessel in Berlin sind bereits älter als 20 Jahre. Kosten für Aus- und Umbau einer neuen Heizung: zum Teil mehr als 10.000 Euro. Allerdings: Der Wärmeplan verpflichtet auch in der Hauptstadt weder Hauseigentümer noch Energieversorger. Er dient nur zur Orientierung, welche Heizarten im jeweiligen Gebiet vorgesehen und nutzbar sind. Ob das klappt, ist in beiden Großstädten mehr als ungewiss. Verbraucher können im Internet nachsehen, welche Heizungsart bei ihnen in Hamburg oder Berlin vorgeschlagen wird.



