Ende Juni wurde Deutschland von einer schweren Hitzewelle heimgesucht. Der Deutsche Wetterdienst maß 41,7 Grad in Ost-Brandenburg – ein Rekordwert. Die Folgen: aufgeplatzte Straßen, Rettungsdienste am Limit und eine erhöhte Zahl von Hitzetoten. Die nächsten heißen Tage stehen bevor, weshalb viele über die Anschaffung einer Klimaanlage nachdenken. Doch welches Modell ist das richtige? Eine Übersicht über die wichtigsten Fragen und Antworten.
Welche Typen von Klimaanlagen gibt es?
Grundsätzlich unterscheidet man zwischen festinstallierten und mobilen Geräten. Split-Klimaanlagen bestehen aus einer wärmeaufnehmenden Inneneinheit und einer wärmeabgebenden Außeneinheit, die durch das Mauerwerk verbunden sind. Monoblockgeräte hingegen vereinen die gesamte Technik in einem Gehäuse und leiten die Abwärme über einen Abluftschlauch nach draußen. Einige Modelle verfügen zusätzlich über einen Zuluftschlauch, der Außenluft ansaugt – sogenannte Zweischlauchgeräte.
Wie funktioniert eine Klimaanlage?
Das Herzstück ist der geschlossene Kältekreislauf, in dem ein Kältemittel (häufig Propan) zirkuliert. Dieses Kältemittel verdampft bereits bei niedrigen Temperaturen und kann so Wärme aus der Raumluft aufnehmen. Der Prozess läuft in vier Schritten ab: Zunächst saugt ein Ventilator warme Raumluft an; im Verdampfer gibt die Luft ihre Wärme an das flüssige Kältemittel ab und strömt gekühlt zurück. Das Kältemittel verdampft. Dann wird es verdichtet, wodurch es sich erhitzt. Im dritten Schritt wird die Wärme an die Umgebungsluft abgegeben – bei Monoblockgeräten über den Abluftschlauch, bei Splitgeräten über die Außeneinheit. Danach entspannt sich das Kältemittel im Expansionsventil, der Druck sinkt, und es ist wieder bereit, Wärme aufzunehmen.
Welches Gerät ist am effizientesten?
Laut Ane Esdohr, Projektkoordinatorin für Energieberatung der Verbraucherzentrale Berlin, sind Split-Klimaanlagen die effizienteste Lösung. „Sie kühlen wirksamer und verbrauchen meist weniger Strom als mobile Geräte.“ Allerdings erfordern sie bauliche Maßnahmen wie Wanddurchbrüche und sind für Mieter oft nicht praktikabel. Bei mobilen Monoblockgeräten empfiehlt Esdohr Zweischlauchgeräte, da Einschlauchgeräte einen Unterdruck im Raum erzeugen, der warme Luft aus benachbarten Räumen nachströmen lässt und die Kühlleistung mindert. Zweischlauchgeräte vermeiden dieses Problem, indem sie die Kühlluft von außen beziehen.
Dürfen Mieter eine Klimaanlage installieren?
Mobile Monoblockgeräte, die nur im Fenster hängen, sind meist genehmigungsfrei. Splitgeräte hingegen erfordern aufgrund ihrer festen Installation und der sichtbaren Außeneinheit die Zustimmung des Vermieters und unter Umständen der Baubehörde. Eigentümer müssen die Wohnungseigentümerversammlung konsultieren.
Worauf ist beim Kauf zu achten?
Das EU-Energielabel bietet eine erste Orientierung, aber Esdohr betont: „Wichtiger als die Effizienzklasse allein ist der Stromverbrauch, die Lautstärke und die passenden Effizienzwerte.“ Bei mobilen Geräten sollte der EER-Wert (Energy Efficiency Ratio) hoch sein, bei Splitgeräten der SEER-Wert (Seasonal Energy Efficiency Ratio). Auch die Raumgröße, die Laufzeit und die Abdichtung des Abluftschlauchs beeinflussen den Stromverbrauch.
Wie nutze ich die Klimaanlage optimal?
Der Abluftschlauch sollte möglichst kurz und gerade sein, das Fenster mit speziellen Abdichtungen versehen werden, um Warmlufteintritt zu verhindern. Kühlen Sie nicht die ganze Wohnung, sondern nur den am häufigsten genutzten Raum. Lüften Sie erst, wenn es draußen kühler ist als drinnen, rät Esdohr. Ein Ventilator kann unterstützend wirken.
Reicht die beste Klimaanlage?
Prof. Martin Kriegel von der TU Berlin betont, dass der Hitzeschutz wichtiger sei als die Gerätewahl. „Als Erstes sollte man immer versuchen, die Belastung für das Gebäude so klein wie möglich zu halten.“ Dazu gehört ein effektiver Sonnenschutz von außen – etwa durch Fensterläden oder ein gespanntes Bettlaken. Innenliegende Jalousien seien weit weniger wirksam.
Soll ich mein Einschlauch- zum Zweischlauchgerät umbauen?
Im Internet kursieren DIY-Anleitungen, aber die Verbraucherzentrale rät dringend davon ab. Ein misslungener Umbau könne die Effizienz verschlechtern, zu Überhitzung führen und die Produktsicherheit sowie Garantie beeinträchtigen.
Was bringen Verdunstungskühler?
Diese Geräte funktionieren wie Ventilatoren mit zusätzlicher Feuchtigkeit. Die Verdunstung des Wassers erzeugt Kälte, doch der Effekt ist laut Kriegel nur direkt im Luftstrom spürbar. „Sie brauchen unheimlich viel Wasser, um einen nennenswerten Kühleffekt für den Raum zu haben.“ Für eine echte Raumkühlung sind sie daher ungeeignet.
Fazit: Bei extremer Hitze können Klimaanlagen vulnerable Gruppen schützen, doch der erste Schritt sollte immer der bauliche Hitzeschutz sein. Für Mieter sind mobile Zweischlauchgeräte die praktikabelste und effizienteste Lösung.



