Ein neuer Gesundheitsreport der AOK Bayern gibt Aufschluss darüber, welche Erkrankungen die Menschen im Landkreis Unterallgäu besonders häufig treffen. Die Auswertung der Abrechnungsdaten von rund 100.000 Versicherten zeigt ein klares Bild: Muskel-Skelett-Erkrankungen dominieren die Rangliste der Diagnosen. Damit unterscheidet sich die Region nur wenig vom bayerischen Landesdurchschnitt, weist jedoch einige lokale Besonderheiten auf.
Rückenschmerzen als Volksleid Nummer eins
Am häufigsten werden in den Arztpraxen des Unterallgäus Rückenschmerzen diagnostiziert. Die medizinische Bezeichnung lautet Kreuzschmerz. Vor allem Menschen zwischen 45 und 65 Jahren sind betroffen, häufig wegen körperlicher Belastung in Berufen wie Landwirtschaft oder Pflege. Der Report zeigt, dass die Zahl der Behandlungsfälle bei dieser Diagnose in den letzten Jahren leicht angestiegen ist – ein Trend, der sich auch auf regionaler Ebene beobachten lässt.
Neben Rückenschmerzen zählen auch Kniegelenksarthrose und Hüftgelenksarthrose zu den zehn häufigsten Krankheiten im Landkreis. Diese Verschleißerkrankungen betreffen überwiegend ältere Menschen. Der demografische Wandel ist im Unterallgäu deutlich spürbar: Der Anteil der über 65-Jährigen liegt über dem Landesschnitt. Das erklärt, warum Gelenk- und Wirbelsäulenleiden hier so häufig dokumentiert werden.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Bluthochdruck
Auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen spielen eine große Rolle. Bluthochdruck, medizinisch Hypertonie, gehört zu den häufigsten Einzeldiagnosen. Der Report weist darauf hin, dass viele Betroffene erst spät von ihrer Erkrankung erfahren, da sie zunächst keine Beschwerden verursacht. Die AOK BAYERN empfiehlt deshalb regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen. Der Gesundheitsreport unterstreiche, wie wichtig Früherkennung vor allem in ländlichen Regionen sei.
Neben dem Blutdruck sind auch chronische Herzkrankheiten, wie die koronare Herzkrankheit, weit verbreitet. Die Ursachen liegen oft in Bewegungsmangel, ungesunder Ernährung und Stress. Der Report sieht hier einen Zusammenhang mit der beruflichen Situation vieler Menschen im Unterallgäu, die häufig in der Industrie oder im Handwerk arbeiten und wenig Zeit für Gesundheitsvorsorge haben.
Auch die Psyche leidet
Zunehmend ins Blickfeld rücken psychische Erkrankungen. Depressionen und Angststörungen belegen in der Statistik einen vorderen Platz. Die Fallzahlen sind in den vergangenen Jahren auch im Unterallgäu gestiegen – ein Spiegelbild des gesellschaftlichen Trends. Der Report betont, dass die ländliche Region über eine gute ambulante Versorgung verfügt, aber lange Wartezeiten auf Psychotherapieplätze ein Problem bleiben.
Ein weiterer häufiger Befund ist die COPD, eine chronische Lungenerkrankung, die oft durch Rauchen verursacht wird. In ländlichen Gebieten ist der Tabakkonsum traditionell höher als in Großstädten, was sich in der Krankheitsstatistik widerspiegelt. Der Gesundheitsreport empfiehlt daher verstärkte Aufklärungskampagnen und Rauchstopp-Programme, die an die lokale Bevölkerung angepasst sind.
Was bedeutet das für die Region?
Die Ergebnisse des Gesundheitsreports haben konkrete Konsequenzen für die Gesundheitsplanung im Landkreis Unterallgäu. Ärzte, Kliniken und Krankenkassen wollen ihre Präventionsangebote noch stärker auf die häufigsten Krankheitsbilder ausrichten. Besonders wichtig seien Maßnahmen zur Stärkung des Rückens, etwa durch betriebliche Gesundheitsförderung und Physiotherapie-Angebote.
DerReport macht aber auch deutlich: Die hiesige Bevölkerung ist im Schnitt gesünder als die in manchen städtischen Ballungsräumen. Die Luftqualität ist besser, das soziale Umfeld intakter. Dennoch dürfe man die genannten Volkskrankheiten nicht unterschätzen. Die AOK BAYERN kündigte an, ihre Daten regelmäßig zu aktualisieren, um die regionale Gesundheitsversorgung weiter zu optimieren.



