Die Hoffnung auf eine baldige Erholung am deutschen Gewerbeimmobilienmarkt hat sich zerschlagen. Rainer Neske, Vorstandsvorsitzender der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), rechnet nun mit einer mehrjährigen Schwächephase. In einem Gespräch mit Bloomberg News äußerte er sich pessimistisch zur kurzfristigen Entwicklung.
Ursachen der anhaltenden Krise
Neske zufolge sind vor allem inflationäre Risiken für die anhaltende Talfahrt verantwortlich. Diese könnten zu weiteren Zinserhöhungen und steigenden Baukosten führen. Hinzu kämen eine generell schwache Konjunktur sowie die weiterhin hohe Homeoffice-Quote. Diese Faktoren belasteten den Markt für Gewerbeimmobilien nachhaltig.
„Ich gehe derzeit von einer mehrjährigen Talphase am Markt für Gewerbeimmobilien aus“, erklärte der LBBW-Chef. Solche Entwicklungen gehörten jedoch grundsätzlich zum Geschäftssegment dazu.
Erholung durch Iran-Krieg zunichtegemacht
Vor rund vier Jahren waren die Immobilienmärkte infolge stark steigender Zinsen unter Druck geraten. In der Zwischenzeit hatte sich die Lage branchenweit stabilisiert. „Es gab Anfang des Jahres erste Anzeichen für eine Erholung am Gewerbeimmobilienmarkt. Diese wurden jedoch mit Beginn des Irankriegs obsolet“, sagte Neske.
LBBW mit 61 Milliarden Euro Exposure
In der gewerblichen Immobilienfinanzierung kommt die LBBW auf ein Exposure von rund 61 Milliarden Euro. Seit August tritt das Geschäftssegment unter der einheitlichen Marke Berlin Hyp auf. Die LBBW hatte den Immobilienfinanzierer im Jahr 2022 übernommen und damit ihr Geschäftsfeld stark ausgedehnt. Auch DekaBank und Helaba waren im Rennen um die Berlin Hyp gewesen.
„Die Übernahme der Berlin Hyp haben wir nie bereut und würden sie auch heute wieder tun“, betonte Neske. „Wir haben kommerziell einen guten Deal gemacht und kannten das Risikoprofil der Berlin Hyp sehr gut, da sie ja bereits seit vielen Jahren ein Wettbewerber von uns am Markt war.“
Größenvorteile und Integration
Letztlich sei die Finanzierung von Gewerbeimmobilien ein Geschäft, in dem Größe zähle. „Angesichts desselben additiven Geschäftsmodells erreichen wir durch die Akquise der Berlin Hyp einen eindeutigen Skalierungseffekt“, so Neske. Die Integration sei in Rekordzeit abgeschlossen worden. „Wir werden im eingeschwungenen Zustand pro Jahr rund 100 Millionen Euro Effizienzen realisieren können“, erklärte der LBBW-Chef.
Risikovorsorge bleibt überschaubar
Für das Segment Immobilien- und Projektfinanzierungen hatte die LBBW in den vergangenen Jahren eine Risikovorsorge in dreistelliger Millionenhöhe ausgewiesen. Neske zeigte sich gelassen: „Wir gehen weiter von einer Risikovorsorge wie in den letzten Jahren und damit von einem überschaubaren Umfang aus.“



