Die Binnenschifffahrt auf dem Rhein leidet bereits im Juli unter ungewöhnlich niedrigen Wasserständen. Am Montag fiel der Pegel an der Engstelle Kaub bei Koblenz auf 53 Zentimeter, und die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes prognostiziert einen weiteren Rückgang unter 50 Zentimeter in den kommenden Tagen. Das bisherige Rekordtief von 25 Zentimetern wurde im Oktober 2018 gemessen.
Schiffe fahren nur mit einem Drittel der üblichen Ladung
„Wir sind eindeutig im Niedrigwasserbereich“, erklärte ein Sprecher des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Rhein. Die Fahrrinne werde flacher, sodass Güterschiffe immer weniger Fracht transportieren könnten. Roberto Spranzi, Vorstand der Deutschen Transport-Genossenschaft Binnenschifffahrt (DTG), die rund 90 Schiffe umfasst, bestätigte die angespannte Lage: „Die Transportkapazität leidet bereits. Die Schiffe können nur mit einem Drittel von dem beladen werden, was normalerweise geht.“
Spranzi zeigte sich alarmiert über den frühen Zeitpunkt des Niedrigwassers. „Die Pegelstände auf Deutschlands wichtigster Wasserstraße sind schon früh im Jahr sehr niedrig – so niedrig, wie ich es in 45 Berufsjahren noch nicht erlebt habe“, sagte er. Dabei habe der Sommer gerade erst begonnen.
Steigende Kosten für Transport und Treibstoff
Die geringere Auslastung der Schiffe treibt die Transportkosten in die Höhe. Hinzu kommen gestiegene Treibstoffpreise, die die ohnehin schon erhöhten Kosten weiter verschärfen. „Noch kriegen wir alles hin. Wir sind voll ausgebucht“, sagte Spranzi. Er hofft auf eine leichte Entspannung durch die bevorstehende Urlaubszeit, in der viele Unternehmen Betriebsferien machen. „Das kann die Lage etwas entspannen.“
Das Bundesumweltministerium beobachtet die Entwicklung mit Sorge. „Die Pegelstände in vielen deutschen Flüssen sinken derzeit deutlich ab – infolge des Klimawandels, sich dadurch verändernder Niederschlagsmuster und mehr Phasen langanhaltender Trockenheit“, hieß es aus dem Ministerium. Erste Landkreise und Kommunen hätten bereits die Wasserentnahme in ihren Regionen beschränkt.
Bundesweites Niedrigwasserinformationssystem angekündigt
Bundesumweltminister Carsten Schneider will am Mittwoch das erste bundesweite Niedrigwasserinformationssystem vorstellen. Es soll einen Überblick über die aktuelle Niedrigwassersituation sowie umfassende Hintergrundanalysen bieten. Die Informationen seien eine wichtige Grundlage, um Vorsorgemaßnahmen in Kommunen und Wirtschaft zu ergreifen und bessere Anpassungsstrategien zu entwickeln.
Die wirtschaftliche Bedeutung des Rheins ist enorm: Auf den deutschen Binnenwasserstraßen wurden 2025 insgesamt 171,6 Millionen Tonnen Güter befördert – der niedrigste Wert seit der deutschen Vereinigung 1990. Der Rückgang ist vor allem auf den Güterversand ins Ausland zurückzuführen, der um 4,8 Prozent auf 41,1 Millionen Tonnen sank. Besonders häufig transportiert werden Steine und Erden, Erze, Kohle sowie flüssige Mineralölerzeugnisse und Chemikalien.
Die aktuellen Niedrigwasserstände betreffen nicht nur den Rhein, sondern viele deutsche Flüsse. Das Umweltministerium warnt vor zunehmenden Trockenperioden und fordert langfristige Anpassungsstrategien für die Binnenschifffahrt und die Wasserwirtschaft.



