Die Einspeisevergütung für Solarstrom aus kleinen Anlagen und Balkonkraftwerken ist gemessen an den Nebenkosten und dem bürokratischen Aufwand viel zu niedrig. Bundesumweltministerin Katherina Reiche (CDU) will die Förderung dennoch reduzieren – und zieht damit die falschen Schlüsse. Das zeigt ein Kommentar von Günter Marks, Redakteur für Politik und Wirtschaft bei der Funke Mediengruppe.
Vergütung von 7,78 Cent pro Kilowattstunde: Ein Witz im Vergleich zu 30 Cent Strompreis
Wer seinen selbst erzeugten Solarstrom teilweise selbst nutzt und den Überschuss ins öffentliche Netz einspeist, erhält derzeit 7,78 Cent pro Kilowattstunde. Das ist angesichts eines durchschnittlichen Strompreises für Privathaushalte von etwas mehr als 30 Cent pro Kilowattstunde eine vernachlässigbare Größe. Selbst bei einem großen Balkonkraftwerk, das bis zu 800 Watt einspeisen darf, sind die Einnahmen minimal. Wer etwa zwei Kilowattstunden pro Tag einspeist, käme auf rund 56 Euro im Jahr – vor Abzug der Kosten.
Bürokratische Hürden: Eigener Zähler, Formulare und Prüfberichte
Die Realität sieht jedoch anders aus: Für ein Balkonkraftwerk ist ein eigener Stromzähler erforderlich. Dessen Einbau kostet einmalig zwischen 50 und 200 Euro. Hinzu kommen jährliche Betriebskosten von rund 25 Euro. Zudem müssen Antragsteller zahlreiche Formulare, Prüfberichte und Nachweise einreichen. Dieser Aufwand schreckt viele potenzielle Betreiber ab. Die zu erwartenden Einnahmen von etwa 56 Euro pro Jahr stehen in keinem Verhältnis zu den Kosten und der Mühe.
Speicher statt Einspeisung: So lohnt sich Solarstrom doch
Eine Alternative ist die Speicherung des überschüssigen Stroms, um ihn nachts oder in sonnenarmen Zeiten zu nutzen. Dann spart man die 30 Cent pro Kilowattstunde, die man sonst beim Energieversorger zahlen müsste. Das ist wirtschaftlich deutlich attraktiver als die Einspeisung. In diesem Sinne ist es richtig, dass Ministerin Reiche die derzeitige Förderung kritisch hinterfragt. Allerdings zieht sie die falschen Schlüsse, wenn sie von einer „Überförderung“ spricht, die abgeschafft werden müsse. Denn die Einspeisevergütung wird von Balkonkraftwerken kaum genutzt – und für jene, für die sie sich lohnen würde, wird die Bürokratie zur Hürde.
Reiches Vorschlag: Kürzung der Förderung trifft die Falschen
Reiche argumentiert, die Förderung sei zu hoch und müsse gesenkt werden. Doch die Zahlen belegen das Gegenteil: Die geringe Vergütung von 7,78 Cent pro Kilowattstunde wird durch die Nebenkosten und den bürokratischen Aufwand nahezu aufgefressen. Eine weitere Kürzung würde bedeuten, dass sich die Einspeisung für kleine Anlagen noch weniger lohnt. Stattdessen sollte die Bürokratie abgebaut werden, um den Betrieb von Balkonkraftwerken zu erleichtern und die Energiewende auch für Privathaushalte attraktiv zu machen. Der Kommentar von Günter Marks macht deutlich: Die Politik muss die richtigen Prioritäten setzen, statt die Förderung zu kürzen, die ohnehin kaum Wirkung entfaltet.



