Solarförderung sinkt: Lohnt sich eine PV-Anlage für Hausbesitzer noch?
Solarförderung sinkt: Lohnt sich eine PV-Anlage noch?

Weniger Förderung für private Solaranlagen

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) plant eine grundlegende Reform der Förderung für Photovoltaik-Anlagen auf Dächern. Nach dem Entwurf des neuen Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) sollen private Kleinanlagen mit weniger als 25 Kilowatt Leistung nur noch eine befristete Übergangszahlung erhalten, die maximal drei Jahre gezahlt wird. Danach müssen auch Privatleute ihren Strom direkt vermarkten, etwa über die Strombörse. Ein kleiner Bonus von 1,5 Cent pro Kilowattstunde soll den Einstieg erleichtern. Bisher hatten Anlagenbesitzer 20 Jahre lang Anspruch auf eine feste Einspeisevergütung.

Hintergrund: Solarboom und neue Ausrichtung

Der Solarausbau in Deutschland boomt: Allein im ersten Halbjahr 2026 gingen Anlagen mit einer Leistung von knapp 7,4 Gigawatt-Peak ans Netz – ein Plus von neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ein Großteil davon entsteht auf Privathäusern. Das Wirtschaftsministerium will diesen Trend jedoch bremsen und setzt künftig stärker auf große Freiflächenanlagen, die Strom günstiger produzieren können. Die Ausschreibungsmengen für solche Anlagen sollen erhöht werden. Ursprünglich war sogar geplant, die Förderung für kleine Anlagen komplett zu streichen, was nach heftiger Kritik abgemildert wurde.

Was ändert sich für Hausbesitzer?

Bisher galt: Wer eine PV-Anlage auf dem Dach installiert und den Strom ins Netz einspeist, erhält 20 Jahre lang eine feste Einspeisevergütung. Diese Garantie entfällt für Neuanlagen. Stattdessen gibt es eine Übergangszahlung für drei Jahre, die unter der bisherigen Vergütung liegt. Danach müssen Hausbesitzer ihren Strom an der Strombörse verkaufen – entweder selbst oder über Dienstleister. Die erzielbaren Preise sind schwer vorhersehbar, was die Kalkulation der Rentabilität erschwert.

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Expertenstimmen: Lohnen sich Anlagen noch?

„Die Bedingungen für private Solaranlagen dürften sich mit dieser Reform verschlechtern“, sagt Andreas Löschel, Energieökonom an der Ruhr-Universität Bochum. Dennoch könne sich die Anschaffung in vielen Fällen weiter lohnen – insbesondere in Kombination mit einem Stromspeicher oder einer Wärmepumpe. „Ob es sich rechnet, hängt von vielen Faktoren ab, unter anderem den künftigen Strompreisen“, so Löschel. „Man muss jetzt in jedem Fall spitz rechnen, und der Fokus wird auf kleineren Anlagen liegen, die stärker für den Eigenverbrauch ausgerichtet sind.“ Er begrüßt, dass der Übergang in die Direktvermarktung weniger abrupt erfolgt als ursprünglich geplant.

Kritik: Ausbau könnte ins Stocken geraten

Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft, warnt vor einem Markteinbruch. Er rechnet mit einem Rückgang der Nachfrage bei Heimanlagen und kleinen Gewerbedächern um mehr als 70 Prozent – von rund 9 Gigawatt 2025 auf nur 3,5 bis 4,5 Gigawatt. Auch die geplanten Änderungen im Netzpaket könnten die höheren Ausschreibungsvolumina für Freiflächenanlagen konterkarieren. „Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit würde der Ausbau der Photovoltaik insgesamt ausgebremst werden“, sagt Körnig. Löschel mahnt: „Der Ausbau der Erneuerbaren insgesamt darf nicht ins Stocken geraten.“

Volkswirtschaftliche Perspektive

Lion Hirth, Professor für Energy Policy an der Hertie School, hält die Verschiebung zu größeren Anlagen für plausibel: „Die Erzeugung einer Kilowattstunde Solarstrom durch eine Freiflächenanlage ist deutlich günstiger als mit einer Dach-PV-Anlage, selbst wenn man die Kosten für den Boden berücksichtigt.“ Volkswirtschaftlich ließen sich Reiches Pläne also argumentieren. Der Gesetzentwurf muss noch vom Kabinett beschlossen werden; die parlamentarische Beratung ist nach der Sommerpause geplant.

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