Der Ausbau der Windenergie an Land in Deutschland schreitet weiter voran, doch die Branche blickt mit Sorge auf geplante Reformen von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Im ersten Halbjahr 2026 wurden 423 Windräder mit einer Gesamtleistung von rund 2,36 Gigawatt in Betrieb genommen – ein Plus von sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wie der Bundesverband Windenergie und der Fachverband VDMA Power Systems mitteilten. Nach Abzug stillgelegter Altanlagen betrug der Netto-Zubau rund 1,9 Gigawatt. Die meisten neuen Anlagen gingen in Nordrhein-Westfalen ans Netz, gefolgt von Niedersachsen.
Zubau verfehlt gesetzliches Ziel
Ende Juni umfasste der deutsche Anlagenpark rund 29.250 Windräder mit einer installierten Leistung von etwa 70 Gigawatt. Das im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) definierte Ziel von 84 Gigawatt für 2026 wird damit voraussichtlich verfehlt. Die Windenergie an Land bleibt mit einem Anteil von 23 Prozent jedoch der wichtigste Energieträger der Stromerzeugung in Deutschland. Im ersten Halbjahr erzeugten die Anlagen 53,1 Milliarden Kilowattstunden Strom – acht Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
Genehmigungsrekord, aber lange Realisierungszeiten
Die neu genehmigte Leistung stieg um knapp 14 Prozent auf einen Rekordwert von 9,1 Gigawatt. Allerdings dauert es im Durchschnitt 31 Monate von der Genehmigung bis zur Inbetriebnahme eines Windrads. „Die Realisierungsdauer hat sich erhöht“, sagte Jürgen Quentin von der Fachagentur Wind und Solar. Er nannte zunehmende Probleme beim Netzanschluss sowie Schwierigkeiten bei Genehmigungen für Schwerlasttransporte als Ursachen.
Kritik an Reiches Reformplänen
Bundeswirtschaftsministerin Reiche plant, die hohen Förderkosten für erneuerbare Energien zu senken, die aus dem Bundeshaushalt finanziert werden. Zudem will sie den Ausbau besser an den Netzausbau anpassen. Um Netzengpässe zu vermeiden, kommt es immer wieder zur Abregelung von Wind- und Solaranlagen – sogenannter Redispatch. Dieser verursacht jährlich Milliardenkosten durch Entschädigungen. Reiche plant nun, in sogenannten Hot Spots, in denen ein hoher Anteil der Stromerzeugung abgeregelt werden muss, die Redispatch-Kompensation zu streichen. Die Kosten für die Entschädigungen werden über die Netzentgelte auf die Stromrechnungen umgelegt; eine Streichung soll diese entlasten.
Branche warnt vor Ausbaustopp
Die geplanten Engpassgebiet-Regelungen riskierten, den Ausbau der Windenergie zu behindern, sagte Dennis Rendschmidt, Geschäftsführer von VDMA Power Systems. Die Redispatch-Regelungen müssten so ausgestaltet werden, „dass wirtschaftlich tragfähige und finanzierungsfähige Modelle weiterhin möglich sind“. Die Branche brauche langfristige Investitionssicherheit. Bärbel Heidebroek, Präsidentin des Bundesverbands Windenergie, sprach sogar von einem drohenden Ausbaustopp. Die Reformpläne von Reiche ließen in der Branche keine gute Stimmung aufkommen, obwohl die Windkraft eine Schlüsselrolle bei der Energiewende spielt.



