Der tschechische Zentralbankchef Ales Michl hat sich deutlich gegen eine von Präsident Petr Pavel vorangetriebene Kampagne zur Einführung des Euro ausgesprochen. In einem Interview mit der „Financial Times“ warnte Michl vor den Risiken eines verfrühten Beitritts zur Währungsunion. Die tschechische Wirtschaft habe sich noch nicht ausreichend an die Eurozone angenähert, um einen solchen Schritt zu rechtfertigen. Ein zu früher Beitritt könnte die Inflation durch steigende Löhne und Kosten anheizen, so Michl. Er betonte die Notwendigkeit einer unabhängigen Zentralbank.
Präsident Pavel für Euro-Einführung
Präsident Petr Pavel hatte zuvor argumentiert, es sei „eindeutig besser, mit am Tisch zu sitzen, an dem die Entscheidungen getroffen werden, als vor der Tür zu warten“. Michl widersprach dieser Auffassung und stellte klar, dass die wirtschaftliche Konvergenz noch nicht gegeben sei. Tschechien ist seit 2004 EU-Mitglied und grundsätzlich zur Euro-Einführung verpflichtet, jedoch ohne festen Zeitplan.
Kritik an Premierminister Babis
Michl äußerte sich auch kritisch über Premierminister Andrej Babis, der zwar eine Euro-Einführung ablehnt, aber jüngst eine Senkung der Leitzinsen gefordert hatte. Michl bezeichnete Babis als „Sammelsurium-Ministerpräsidenten, der einer Idee im Stil Trumps folgt: Je billiger das Geld, desto besser“. Ein Nachgeben gegenüber dem Druck des Regierungschefs würde die Preisstabilität in Tschechien gefährden. Michl räumte ein, es sei „eine Ironie“, dass er nun mit Babis zur Währungspolitik über Kreuz liege, da er diesem als wirtschaftspolitischer Berater diente, als Babis noch Finanzminister war.
Flexible Wechselkurse bevorzugt
Die tschechische Nationalbank (CNB) hatte im Juni den Leitzins erstmals seit vier Jahren um einen Viertelpunkt auf 3,75 Prozent angehoben. Begründet wurde dies mit dem Lohnwachstum und dem allgemeinen Inflationsdruck. Michl erklärte, er bevorzuge flexible Wechselkurse: „Ich mag flexible Wechselkurse, und die Aufwertung der Krone ist ein Instrument zur Inflationsbekämpfung.“
Hintergrund: Euro-Einführung in der EU
Alle EU-Staaten mit Ausnahme Dänemarks sind verpflichtet, den Euro einzuführen, jedoch gibt es keinen festen Zeitplan. Bulgarien hat im Januar den Euro eingeführt, und Ungarns neuer Ministerpräsident Peter Magyar strebt dies bis etwa 2030 an. Tschechien steht unter Druck, sich zu positionieren, doch Michl warnt vor übereilten Schritten.



