Der traditionsreiche Elektronik-Händler Pollin Electronic aus dem bayerischen Pförring hat einen Insolvenzantrag gestellt. Das geht aus einer Veröffentlichung des Amtsgerichts Ingolstadt vom 29. Juli 2026 hervor. Das Verfahren wird unter dem Aktenzeichen IN 401/26 geführt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Nürnberger Rechtsanwalt Joachim Exner bestellt. Das Unternehmen selbst hat sich bisher nicht öffentlich geäußert – weder auf der Firmenwebseite noch im Online-Shop findet sich ein Hinweis auf den Schritt.
Gerichtliches Verfahren und erste Reaktionen
Der Insolvenzantrag wurde beim Amtsgericht Ingolstadt eingereicht, das für das Unternehmen mit Sitz im Landkreis Eichstätt zuständig ist. Der Beschluss datiert vom 29. Juli 2026. Insolvenzverwalter Joachim Exner erklärte gegenüber dem „Donaukurier“: „Unser Ziel ist die Fortführung des Unternehmens.“ Damit bleibt die Hoffnung, dass Pollin Electronic saniert werden kann. Allerdings sind die genauen Sanierungsschritte noch nicht bekannt. Geschäftsführer Max Pollin junior wollte sich auf Nachfrage der Zeitung nicht äußern.
Vom Versandhandel zum bekannten Anbieter
Die heutige Pollin Electronic GmbH entstand 1996, als das Unternehmen umfirmiert wurde und die drei Söhne des Gründers als Mitgesellschafter einstiegen. Zuvor war das Unternehmen als Versandhandel für Elektronikbauteile bekannt. 1998 eröffnete Pollin ein Elektronik-Handelszentrum mit einem Logistikbereich, der für den Versand von bis zu 1000 Paketen täglich ausgelegt war. Der eigene Online-Shop startete im Mai 2001 – ein früher Schritt in den E-Commerce, der dem Unternehmen half, überregional bekannt zu werden.
Die Führungsstruktur wurde mehrfach angepasst. Seit August 2005 war Max Pollin junior alleiniger Geschäftsführer. Seine Brüder Werner und Herbert Pollin fungierten als Prokuristen. Der Gründer Max Pollin senior übernahm den Vorsitz eines neu eingerichteten Aufsichtsrats. Diese Konstellation blieb bis zuletzt bestehen.
Breites Sortiment und laufender Betrieb
Pollin Electronic bietet ein umfangreiches Sortiment an Elektronikartikeln. Dazu zählen Bauelemente, Entwicklerboards und Messtechnik, aber auch Computer, Telefone, Stromversorgung sowie Sat-, TV- und Audiotechnik. Ergänzt wird das Angebot durch Produkte für Haus, Garten und Werkstatt. Trotz des Insolvenzantrags läuft der Geschäftsbetrieb nach Angaben des „Donaukuriers“ vorerst weiter. Der Online-Shop ist weiterhin erreichbar, und Kunden können Bestellungen aufgeben.
Auswirkungen auf die Belegschaft
Das Unternehmen beschäftigt rund 140 Mitarbeiter. Ihre Gehälter sind laut dem Bericht bis Oktober 2026 über das Insolvenzgeld gesichert. Wie es danach weitergeht, hängt vom Ausgang des Verfahrens ab. Insolvenzverwalter Exner betonte das Ziel der Fortführung, doch ob dies ohne Stellenabbau möglich ist, bleibt abzuwarten. Die Belegschaft wurde über den Antrag informiert, weitere Details zur Sanierung stehen noch aus.
Branchenumfeld und Ausblick
Der Elektronikhandel steht seit Jahren unter Druck. Der Wettbewerb durch große Online-Plattformen und sinkende Margen setzen auch etablierten Händlern zu. Pollin Electronic hatte sich zuletzt auf Nischenprodukte und den Fachhandel konzentriert. Ob dieser Kurs ausreicht, um das Unternehmen zu retten, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Der Insolvenzverwalter wird nun prüfen, ob eine Sanierung in Eigenverwaltung oder ein Verkauf möglich ist. Die Gläubiger wurden noch nicht eingebunden; die erste Gläubigerversammlung steht noch aus.
Bis dahin bleibt die Zukunft von Pollin Electronic und seiner 140 Mitarbeiter offen. Der Name, der seit Jahrzehnten für Elektronikversand steht, steht vor einer ungewissen Zukunft.



