12.000 Wohnungen aus Büros: Stiftung Zukunft Berlin präsentiert Lösungen
12.000 Wohnungen aus Büros: Stiftung Zukunft Berlin

Die Stiftung Zukunft Berlin hat nach zweieinhalb Jahren Arbeit ein Thesenpapier vorgelegt, das bis zu 12.000 neue Wohnungen durch die Umwandlung leerer Büroflächen in Berlin ermöglichen soll. Das Papier, das von einer Arbeitsgruppe mit Vertretern unterschiedlicher Interessengruppen erarbeitet wurde, enthält acht Empfehlungen zur Bekämpfung der Wohnungskrise.

Einigung über Interessengrenzen hinweg

In der Arbeitsgruppe Wohnen der Stiftung Zukunft Berlin kamen Mietervertreter, Architekten, Vertreter der Wohnungswirtschaft und Projektentwickler zusammen. „Wir sind der Auffassung, dass sich die großen oder größten Herausforderungen dieser Stadt eigentlich nicht lösen, wenn jeder nur aus seiner eigenen Perspektive argumentiert“, sagte Beate Stoffers, Vorständin der Stiftung und ehemalige SPD-Staatssekretärin, bei der Vorstellung am Montag. „Aber die Herausforderungen lassen sich lösen, wenn unterschiedliche Perspektiven miteinander ins Gespräch kommen und wir auch bereit sind, die Perspektiven des anderen einmal ernst zu nehmen.“

Zwei Millionen Quadratmeter Büroleerstand

Ein zentraler Punkt des Papiers ist die Nutzung von leerstehenden Büroflächen für Wohnraum. „Wir haben rund zwei Millionen Quadratmeter Leerstand bei den Büroflächen“, sagte Theresa Keilhacker, ehemalige Präsidentin der Architektenkammer und Mitglied der Arbeitsgruppe. Die Möglichkeiten des Bauturbos und des Schneller-Bauen-Gesetzes sollten hier stärker angewendet werden. Trotz des hohen Büroleerstandes seien noch sehr wenig Projekte zur Umwandlung leerer Büros in Wohnungen auf dem Weg.

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Dabei könnten auf diese Weise mindestens acht bis zwölftausend Wohnungen in Berlin entstehen, sagte Keilhacker. Theoretisch, rein von der Menge leer stehender Büroflächen her gedacht, seien sogar bis zu 35.000 Wohnungen möglich, aber man gehe davon aus, dass man davon etwa ein Drittel wirklich in die Umsetzung bringen könne.

Förderung und Verwaltungsunterstützung

Die Arbeitsgruppe fordert, dass die Investitionsbank Berlin die Förderung von Umbaumaßnahmen in den Vordergrund stellen soll, sodass bei Umwandlungsprojekten auch tatsächlich bezahlbarer Wohnraum entsteht. Zudem müssten die Verwaltungsmitarbeitenden, die Ermessensentscheidungen zugunsten von neuem Wohnraum treffen, sich der Rückendeckung ihrer Verwaltungen sicher sein können. Die Arbeitsgruppe schlägt außerdem eine grundstücksscharfe Erfassung von Büroleerständen und Umnutzungspotenzialen vor, um belastbarere Datengrundlagen zu bekommen als bisher.

Milieuschutz weiterentwickeln

Ein weiteres Thema ist die Weiterentwicklung des Milieuschutzes. „Der Milieuschutz ist ein wichtiges Instrument, das beibehalten werden muss“, sagte Mieterverein-Geschäftsführer Sebastian Bartels. „Aber die Ausführungsvorschriften, die sind auf jeden Fall nachzuschärfen.“ Die Arbeitsgruppe fordert daher die Weiterentwicklung dieses städtebaulichen Instruments, mit dem Mieter vor Verdrängung geschützt werden sollen. Die Praxis in den unterschiedlichen Bezirken solle nicht zu sehr auseinanderklaffen. Es soll sichergestellt werden, dass energetische Sanierungen sowie Maßnahmen zur Barrierefreiheit – wie etwa der Aufbau von Aufzügen – ermöglicht werden, und dennoch der Schutz der Bewohnerschaft vor Verdrängung erhalten bleibt.

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Priorisierung von Wohnungsbau gegenüber Gewerbe

Die Arbeitsgruppe kritisiert, dass große Flächen für potenzielle Gewerbeansiedlungen freigehalten werden, statt dort Wohnungen zu errichten – auch wenn sich dann Gewerbe gar nicht in diesem Ausmaß ansiedelt. Eine Abwägung der unterschiedlichen Interessen müsse für die Öffentlichkeit nachvollziehbarer geschehen, und der Wohnbau müsse konsequent priorisiert werden. Als Beispiel nannte Reiner Nittka, Projektentwickler und ebenfalls Teil der Arbeitsgruppe, ein fünf Hektar großes Grundstück in der Mecklenburgischen Straße in Wilmersdorf: „Das Grundstück hätte alles erfüllt, was man sich für Wohnungsbau wünscht. Es war komplett versiegelt. Wir haben dort eine U-Bahn, wir haben eine S-Bahn, wir haben eine Autobahn, wir haben einen riesigen Edeka gegenüber, die komplette Infrastruktur. Und eine der Ansiedlungen, die dort nun stattgefunden hat, ist ein riesiges Rechenzentrum. Die bringt dann vielleicht zwanzig Arbeitsplätze im Security-Bereich.“ Es müsse transparenter werden, wie solche Entscheidungen – gegen den Wohnungsbau – getroffen werden, sagte Nittka.

Das Thesenpapier der Stiftung Zukunft Berlin soll nun als Grundlage für weitere politische Diskussionen dienen. Die Arbeitsgruppe hofft, dass ihre Empfehlungen von der Politik aufgegriffen werden, um die Wohnungskrise in Berlin zu entschärfen.