Der Chemiekonzern BASF treibt seinen Konzernumbau mit erhöhter Geschwindigkeit voran und hat die Belegschaft an seinem Stammsitz in Ludwigshafen auf den niedrigsten Stand seit mehr als 70 Jahren reduziert. Erstmals seit 1954 sei die Zahl der Vollzeitstellen im Mai 2026 auf unter 30.000 gesunken, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Konzernchef Markus Kamieth erklärte: „Wir haben das Tempo noch einmal erhöht, um unsere Organisation schlanker und effizienter aufzustellen.“
Starker Stellenabbau im ersten Halbjahr 2026
Allein in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres habe BASF mehr Stellen abgebaut als in den beiden Vorjahren zusammen. Weltweit verringerte sich die Zahl der Mitarbeiter seit Januar 2024 um rund 7.000. Der Abbau konzentriert sich insbesondere auf den Standort Ludwigshafen, wo BASF seine Strukturen verschlankt, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.
Im Tagesgeschäft profitierte BASF im abgelaufenen Quartal von einer anziehenden Nachfrage und kräftigen Preiserhöhungen. Diese Entwicklung ist auch auf die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten zurückzuführen: Lieferunterbrechungen in der Region veranlassten Kunden dazu, aus Sorge vor Engpässen ihre Lager aufzufüllen. Dies habe die Auslastung der Anlagen in Ludwigshafen verbessert, so das Unternehmen.
Abhängigkeit von der Lage am Persischen Golf
Bereits Mitte Juli hatte BASF bei der Vorlage vorläufiger Zahlen und einer Anhebung der Jahresziele darauf verwiesen, dass die weitere Entwicklung der Weltkonjunktur stark von der Lage am Persischen Golf abhänge. Eine anhaltende Schließung der Straße von Hormus würde die Wirtschaft belasten, während eine schnelle Einigung der Konjunktur Rückenwind verleihen könnte. Der Konzern hob seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr an, nachdem das zweite Quartal stärker als erwartet ausgefallen war.
Neues Aktienrückkaufprogramm über eine Milliarde Euro
Parallel zum Stellenabbau legt der Chemiekonzern ein neues Aktienrückkaufprogramm mit einem Volumen von bis zu einer Milliarde Euro auf. Der Erwerb der Papiere solle im August 2026 beginnen und bis Ende April 2027 abgeschlossen werden, teilte das Ludwigshafener Unternehmen am Mittwoch mit. Zudem will der Konzern seine Nettoverschuldung deutlich reduzieren und dafür im dritten Quartal Anleihen und Darlehen im Volumen von 1,6 Milliarden Euro vorzeitig zurückzahlen.
Das neue Rückkaufprogramm ist Teil eines im September 2024 angekündigten Plans, bis Ende 2028 eigene Aktien für insgesamt vier Milliarden Euro zu erwerben. BASF hatte zwischen November 2025 und Juni 2026 bereits Papiere im Wert von rund 1,5 Milliarden Euro zurückgekauft. Insgesamt will der Konzern in den Jahren 2025 bis 2028 durch Dividenden und Aktienrückkäufe mindestens zwölf Milliarden Euro an seine Aktionäre ausschütten.
Mit dem beschleunigten Umbau reagiert BASF auf die anhaltenden Herausforderungen in der Chemiebranche, die unter hohen Energiekosten und schwacher Nachfrage in Europa leidet. Die Konzentration auf Kernaktivitäten und die Reduzierung der Komplexität sollen langfristig die Rentabilität steigern. Die Aktie des Unternehmens gab nach Bekanntgabe der Nachrichten leicht nach, obwohl die Quartalszahlen über den Erwartungen lagen.



