Die chemisch-pharmazeutische Industrie in Deutschland kämpft weiterhin mit einer anhaltenden Krise. Wie der Branchenverband VCI am Donnerstag mitteilte, lag die Produktion im ersten Halbjahr 2026 rund drei Prozent unter dem Vorjahreswert. Der Umsatz sank um ein Prozent auf 106 Milliarden Euro. Besonders besorgniserregend: Die Investitionen sind bereits das dritte Jahr in Folge rückläufig.
VCI-Präsident spricht von enttäuschender Halbjahresbilanz
VCI-Präsident Markus Steilemann äußerte sich enttäuscht über die Entwicklung. „Wir erleben nur eine Atempause, keine Trendwende“, sagte er. Die aktuelle leichte Belebung sei vor allem auf Sondereffekte infolge der kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten zurückzuführen. So hätten Unternehmen ihre Lager aus Sorge vor Lieferengpässen aufgefüllt, und der Wettbewerbsdruck aus Asien habe wegen der Sperrung der Straße von Hormus vorübergehend nachgelassen.
Umsatz und Produktion im Detail
Der Umsatz der Branche belief sich im ersten Halbjahr auf 106 Milliarden Euro, ein Rückgang um ein Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Produktion fiel um drei Prozent. Steilemann betonte, dass die Krise struktureller Natur sei und nicht allein durch konjunkturelle Schwankungen erklärt werden könne. Die hohen Energiepreise und die Bürokratie in Deutschland belasteten die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie erheblich.
Ausblick und Forderungen
Der VCI fordert von der Politik dringend Maßnahmen zur Stärkung des Standorts Deutschland. Dazu gehören niedrigere Energiepreise, weniger Bürokratie und eine verbesserte Infrastruktur. Ohne grundlegende Reformen drohe ein weiterer Niedergang der Branche, die für Hunderttausende Arbeitsplätze in Deutschland verantwortlich ist. Steilemann: „Wir brauchen jetzt eine echte Trendwende, sonst verlieren wir den Anschluss an die internationale Konkurrenz.“



