Editorial: Deutschland braucht keinen Musk – aber einige seiner Eigenschaften
Mit der Rekordbewertung von SpaceX finanzieren Investoren keine Leistung, sondern eine visionäre Erzählung. Was sich für Deutschland lernen lässt? Mehr Mut, sich überhaupt etwas zuzutrauen.
Martin Knobbe, stellv. Chefredakteur Handelsblatt
12.06.2026 - 08:57 Uhr
Ich lernte Philipp Westermeyer in den frühen Nullerjahren kennen, als ich Redakteur im Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr war. Er arbeitete als Assistent des damaligen Vorstandsvorsitzenden und war immer neugierig auf unsere Arbeit als Journalisten. Und schon damals war an ihm eine gewisse Unruhe zu spüren, dass er mit seinen Ideen und Visionen noch einmal woanders hinwollte.
Wenige Jahre später gründete er zwei Unternehmen, wieder Jahre später das erste OMR-Festival. Heute zieht die Veranstaltung für die europäische Digital- und Marketingszene mehr als 70.000 Besucher nach Hamburg, in diesem Jahr standen Wladimir Klitschko, Roland Emmerich und der eine oder andere Bundesminister auf der Bühne.
Philipps Unbeschwertheit und Zuversicht habe ich immer bewundert. Er steht für Tausende Gründerinnen und Gründer, die früh an etwas glaubten, von dem ihr Umfeld vermutlich sagte: „Das kann so nicht funktionieren.“ Oft stimmt das. Oft aber nicht. Die Lehre daraus ist schlicht und wichtig zugleich: Am Anfang stehen Mut und eine Vision, die groß genug ist, um auch grandios scheitern zu können.
Was Deutschland von Elon Musk lernen kann
Elon Musk ist zweifellos eine polarisierende Figur. Seine Unternehmen wie Tesla, SpaceX oder Neuralink haben Branchen revolutioniert. Doch die aktuelle Rekordbewertung von SpaceX zeigt: Investoren finanzieren nicht nur aktuelle Leistung, sondern vor allem eine visionäre Erzählung. Musk verspricht eine Zukunft, die viele für unmöglich halten – und genau das treibt die Kurse an.
Für Deutschland stellt sich die Frage: Brauchen wir einen eigenen Elon Musk? Wohl kaum. Aber wir brauchen mehr von jener Eigenschaft, die ihn und viele erfolgreiche Gründer auszeichnet: den Mut, an das vermeintlich Unmögliche zu glauben und es mit aller Entschlossenheit zu verfolgen.
Die deutsche Gründerszene hat Potenzial
Die deutsche Start-up-Landschaft ist lebendig, aber oft noch zu risikoscheu. Viele Gründerinnen und Gründer scheitern nicht an mangelnden Ideen, sondern an der Angst vor dem Scheitern. Dabei zeigt die Erfolgsgeschichte von Philipp Westermeyer und dem OMR-Festival: Wer früh an seine Vision glaubt und bereit ist, auch Rückschläge in Kauf zu nehmen, kann Großes erreichen.
Es geht nicht darum, blind jedem Hype zu folgen. Sondern darum, sich zuzutrauen, eigene Wege zu gehen – auch wenn das Umfeld skeptisch ist. Genau diese Haltung fehlt in Deutschland oft. Dabei wäre sie der Schlüssel zu mehr Innovation und wirtschaftlichem Erfolg.
Fazit: Mehr Mut wagen
Deutschland braucht keinen Elon Musk. Aber es braucht mehr Menschen, die den Mut haben, an ihre Visionen zu glauben und sie mit Leidenschaft zu verfolgen. Die Geschichte von Philipp Westermeyer ist ein Beispiel dafür, dass dies auch hierzulande möglich ist. Die Lehre: Am Anfang stehen Mut und eine Vision, die groß genug ist, um auch grandios scheitern zu können. Das ist die Eigenschaft, die wir uns von Elon Musk abschauen sollten – nicht seine Person.



