Auf der Fachmesse BEFA Forum in Düsseldorf präsentiert die Bestattungsbranche ihre neuesten Innovationen. Besonders hervor stechen ein digitaler Sarg mit Tracker, ein Porsche-Leichenwagen und ein Sarg aus Pilzen, der sich innerhalb von 45 Tagen vollständig zersetzt.
Digitale Überwachung bis zur Beisetzung
Karl Wilhelm, Geschäftsführer von RIP Solutions aus Waldmünchen in Bayern, stellte den weltweit ersten digitalen Sarg vor. Die Idee entstand, als eine Kollegin den Standort einer Lieferung verfolgte. Wilhelm fragte sich, warum Angehörige nicht sehen können, wo sich der Verstorbene nach der Abholung befindet. Der Sarg ist mit einem Tracker ausgestattet, der NFC und Bluetooth nutzt, sowie einem Gateway-Gerät, das GPS-Daten erfasst. Über eine kostenlose App können Hinterbliebene die Stationen wie Abholung, Kühlung, Versorgung, Verabschiedung, Krematorium, Trauerfeier und Beisetzung verfolgen. Nach der Beisetzung wird der letzte Standort übermittelt und der Tracker umweltfreundlich aufbereitet. Dies ist besonders bei anonymen Bestattungen auf See, im Wald oder im Fluss von Bedeutung.
Porsche-Leichenwagen für die letzte Fahrt
Gunnar Göbelsmann aus Wuppertal bietet die letzte Fahrt in einem Elektro-Porsche Taycan an. Der Wagen hat 598 PS und erreicht bis zu 280 km/h. Die Idee entstand vor fünf Jahren, als eine Kundin ihren verstorbenen Vater im Porsche mitnehmen wollte. Der Taycan wurde als Leichenwagen zugelassen und ist auslaufsicher umgebaut. In kurzer Zeit brachte Göbelsmann bereits acht Urnen zum Friedhof. Zwei Bestatter aus Polen zeigen großes Interesse. Der Wert des drei Jahre alten Wagens liegt bei etwa 85.000 Euro. Eine Überführung der Urne im Porsche kostet bis 50 Kilometer 100 Euro extra.
Pilz-Sarg zersetzt sich in Rekordzeit
Bob Hendrikx aus den Niederlanden gründete 2019 die Firma Loop Biotech, nachdem er im Architekturstudium die Idee hatte, Särge aus Pilzen herzustellen. Der Clou: Die Särge und Urnen aus Pilzen bauen sich in der Erde nach nur 45 Tagen komplett ab. Welcher Pilz verwendet wird, bleibt geheim. Es handelt sich um einen lokalen Pilz, der im Labor gezüchtet wird und in nur sieben Tagen genug Material für einen Sarg liefert. Die Särge werden standardmäßig mit Moos ausgelegt, aber auch Schaf- oder Biobaumwolle ist möglich. Ein Sarg kostet zwischen 2000 und 3000 Euro.
Urnen in Handtaschenform
Ein weiterer Hingucker sind Urnen in Handtaschenform aus Italien. Jedes Stück ist ein Unikat, handbemalt und überraschend schwer. Der Preis liegt bei 600 Euro. Jürgen Krupp, Geschäftsführer von C. Miesen, vertreibt sie in Deutschland. Er entdeckte die Urnen vor zwei Jahren auf einer Messe in Italien, aber der Hersteller reagierte nicht auf Anfragen. Vor vier Wochen fand er sie auf einer Messe in Bologna wieder und kann sie nun erstmals in Deutschland präsentieren.



